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It's Trumann Kolumne

HERZBLUT

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1877 hatte Franz Liszt das Plätschern, Rauschen und Tosen der „Wasserspiele der Villa d’Este“ in Tivoli bei Rom in Noten gegossen und eine feine Lautmalerei komponiert. Eine Teilnehmerin der „Summer Academy of Music“ interpretierte dieses Stück in einem der Mittagskonzerte im Langhaus des Klosters Oldenstadt so „anschaulich“, dass es mir ein Bedürfnis war, ihr anschließend mein Lob auszusprechen. Freudestrahlend bedankte sich die junge Dame für die Resonanz. Beflügelte sie die Anerkennung? Beim Abschlusskonzert wenige Tage später wirkte ihr Wasser-Spiel auf dem Flügel noch perlender, noch fließender. Die Noten des Komponisten, die Interpretation der Pianistin und die Aufnahme des Zuhörers fanden zu einer beglückenden Einheit. Ein Ohrenschmaus. Meine Hochachtung auch für den Einklang des begleitenden Orchesters an diesen Abenden!
Bis zu diesem Hörgenuss war es ein langer Weg. Ausbildung und Studium können für die Musiker – für die Instrumentenbauer auch körperlich – eine Ackerei genannt werden. So ist das Lob für das Ergebnis eine Art Ernte-Dank.
In seinem Buch „Herztöne“ beschreibt der Geigenbauer und Autor Martin Schleske, wie aus einem unter zehntausend Bäumen das geeignete Holz für ein hochwertiges Instrument ausgewählt und bearbeitet wird, auch, welchen Schaden Unachtsamkeit, Ungeduld und ein stumpfes oder gar schartiges Eisen bei der Arbeit anrichten könnten, was im Ansatz schon den gewünschten Wohlklang vereitelte. Beim Steinway-Flügel der Musikschule wird es nicht viel anders gewesen sein.
Das geeignete Material, das geeignete, scharfe Werkzeug, die geeignete Einstellung des Instrumentenbauers und die des Musikers später: Alles sollte zusammenspielen, über-ein-stimmen, um zu guter Letzt ein wohltönendes Klangerlebnis zu „ernten“.
In diesen Tagen beginnen wieder viele junge Leute mit einer Ausbildung oder einem Studium.
Es ist zu wünschen, dass sie mit ebenso viel Herzblut zu Werke gehen wie Herr Schleske, die Dozenten und die Meisterschülerinnen und -schüler der Sommerakademie, um schließlich das Ergebnis ihrer Mühe präsentieren und, wie manche Bäckerin und Köchin, ehrlich sagen zu können: „Das ist mit Liebe gemacht“.
„Hochachtungsvoll“ zu schreiben ist zwar aus der Mode gekommen, als leere Worthülse anrüchig geworden. Außeracht gelassen werden sollte die Eigenschaft selbst aber nicht, weder bei Menschen und ihrer Arbeit, noch bei Dingen.

Bei aller Liebe und in diesem Sinne:
Hochachtungsvoll

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