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Ebstorf ist beherzt!

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Fotos: Jochen Quast

Für Demokratie und Vielfalt – mutig Gesicht zeigen zum 5-jährigen Bestehen

Das bekannteste Gesicht der Gruppe „beherzt“ ist das des Gruppensprechers Martin Raabe aus Ebstorf. In den letzten Monaten hatte der Pastor im Ruhestand jede Menge zu tun, eine Veranstaltung nach der nächsten, 24 waren es alleine im November 2023 – in Schulen, bei der Polizei, der Lehrergewerkschaft, in Unternehmen … im Februar ist Martin Raabe zu der bundesweiten Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung in Düsseldorf als einer von vielen Referent:innen aus ganz Europa eingeladen.
Aus den Anfängen: Nach einem Austausch-
treffen von durch völkische Aktivitäten Betroffenen im November 2018 wuchs die Gruppe im Laufe der Jahre sehr schnell. Es entstand eine Solidargemeinschaft von Bürger:innen, die nicht länger tatenlos zusehen wollten, dass der Landkreis zu einer „Hochburg Völkischen Siedelns“ geworden ist, sondern die dagegen aufstehen und Zeichen setzen. Heute zählt die Gruppe über 500 Unterstützer:innen.
Die Reichweite geht weit über die Landkreisgrenzen hinaus in die Nachbarkreise und anliegenden Bundesländer. Die Gruppe „beherzt“ hat sich inzwischen eine Fachkompetenz auf dem Gebiet des Völkischen Rechtsextremismus erarbeitet. Gruppenvertreter werden zu fachlichem Austausch im Rahmen von Vorträgen, Workshops, Beratungen, Vorlesungen bis zu Fernsehdokumentationen oder Podcasts eingeladen.
Eine besondere Auszeichnung für die beherzte und unermüdliche Arbeit stellt der „Julius Rumpf Preis 2024“ der Martin-Niemöller-Stiftung dar. Martin Raabe dazu: „Dass wir mit dieser Auszeichnung in die inhaltliche Nachfolge von aktiven Widerständlern des Nationalsozialismus genommen werden, macht uns demütig. In diesem Sinne wollen wir in der Verantwortung für das Weitertragen dieser Geisteshaltung für Vielfalt und Menschenwürde wirken.“
Die Januar-Demo „Zusammenstehen für Demokratie und Toleranz“ in Uelzen lief wie vielerorts unter dem Motto „Es ist fünf vor Zwölf“. Die Geschichte wie auch die Gegenwart zeigen, dass sich Demokratien, nicht nur in Deutschland, in kürzester Zeit zu Autokratien und Diktaturen wandeln können. Die Grundlage einer jeder Demokratie ist die Teilhabe an der politischen Willensbildung. Allgemeines Wegschauen, sich nicht zu äußern, nicht zu wählen, öffnen Tür und Tor eben diese zu zerschlagen. Vielzitiert in den letzten Wochen: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. / Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler. / Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude. / Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ – Martin Niemöller, evangelischer Pfarrer (1892-1984).
Damit so etwas sich nicht wiederholt, zeigen immer mehr Menschen auch ganz öffentlich Gesicht für Demokratie und Vielfalt – so auch bei der Gruppe „beherzt“, die mit einer Fotokampagne Mut machen will, Stellung zu beziehen und Meinung zu äußern. Denn die Graswurzelarbeit der völkisch Gesinnten stellt eine Herausforderung im Alltag dar, weil damit das Ehrenamt in Vereinen, an Schulen und Kindergärten von Menschen mit völkischem Hintergrund genutzt wird, um Vertrauen und Sympathien aufzubauen. Menschen, die wir mögen, denen wir vertrauen, glauben wir auch viel schneller ohne Aussagen zu überprüfen. So werden im schlimmsten Fall Wahrnehmungen beeinflusst, Fakten verzerrt, Unwahrheiten verbreitet und Ängste geschürt … „Und das kann tagtäglich jedem begegnen, jeden betreffen. Unsere Foto-
aktion soll eindeutig zeigen, du bist nicht alleine, wir sind viele, wir sind mehr und wir sind auch füreinander da, beraten, vermitteln Kontakte und helfen weiter. – Ich bin stolz auf die Menschen, die schon seit Beginn dabei sind und sich nun auch mit unserem Symbol – dem gelb-magentafarbenen ‚KREUZ OHNE HAKEN – fUEr VIELFALT‘ fotografieren lassen und sich über Social Media und wie hier in Barftgaans für eine vielseitige, weltoffene Gesellschaft stark machen“, erklärt Martin Raabe.

Termine: Die Preisverleihung findet am Samstag, 1. Juni 2024, um 17 Uhr in der Klosterkirche Ebstorf statt. Als Laudatorin hat Daniela Behrens – niedersächsische Ministerin für Inneres und Sport – zugesagt.
Am Freitag, 5. April 2024, um 18 Uhr, ist ein Vortrag der Gruppe
„beherzt“ im Refektorium des Klosters Ebstorf geplant.

Mit den Porträts der beherzten Menschen unterstützt Jochen Quast die Gruppe: „Die Demokratie als wichtiges Instrument zum Zusammenleben ist überall so bedroht, das ich als Fotograf diese Arbeit von beherzt nur unterstützen kann und mich mit meiner Arbeit gerne einbringe, um sich diesem Irrsinn von rechten Gedanken entgegenzustellen.“

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