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Lebensmittel, Essen und Erzeugung

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Die ZIEGurity hat den eigentlichen Stars, den Legehennen, bei der Hofführung die Show gestohlen, sie schützen ihre Hennen vor Prädatoren. Fotos: Eva Neuls

Regionale Wertschätzung der Landwirtschaft

Anfang Juni hat das Landvolk Niedersachsen zum 14. Mal zum Tag des offenen Hofes eingeladen, auch im Landkreis Uelzen. Eine Aktion, aktueller und wichtiger denn je. Für Landwirte im Voll- und Nebenerwerb ist es nicht unbedingt ein „Zuckerschlecken“, dafür zu sorgen, dass wir Verbraucher:innen „unser täglich Brot“ auf den Tisch bekommen. Ganz selbstverständlich, ganz unkompliziert der Gang in den Supermarkt, in dem wir alle Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs und darüber hinaus in zig Variationen und Preisklassen kaufen können. Ohne je deren Erzeuger oder deren Weiterverarbeiter im Hintergrund wahrzunehmen.
Aber es geht nicht nur uns als Verbraucher:innen so. Auch viele Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, haben ihr Endprodukt nicht in der Hand. Wenn morgens der Milchtankwagen auf den Hof kommt, geht die Milch auf die Reise, bis sie in Flaschen, Tüten oder als Molkereiprodukte die Kühlregale im Einkaufsmarkt füllt. Diesem Trend der Entfremdung von unseren Lebensmitteln setzen viele landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis Uelzen etwas entgegen. In der Saison ist es schon immer üblich, dass Spargel, Erdbeeren, Heidelbeeren und Co. in der Direktvermarktung oder an Verkaufsständen angeboten werden. Die Wochenmärkte zeugen noch heute von der Tradition, dass Erzeuger an Verbraucher direkt verkaufen, trotz heutiger Ergänzungen durch Produkte aus aller Welt, die wir gerne genießen.
Das Höfesterben wird in Gesprächen oftmals bedauert, das damit einhergehende Verschwinden der ländlichen Kultur und des gesellschaftlichen Lebens auf den Dörfern auch. Betriebe wie Schüttenbuers Hoff in Hohenbüntstorf haben es sich zur Aufgabe gemacht, eben nicht aufzugeben – ihren Hof, ihre Landwirtschaft, ihre familiären Wurzeln – wenn auch nur im Nebenerwerb. Wobei hier das Wort nur wirklich ad absurdum führt. Denn sicherlich hätte die junge Familie mehr Zeit für sich, ohne die zusätzliche Arbeit auf dem Hof. Wenn der eigene Hof früher nicht zum Lebensunterhalt der Familien ausreichte, war es notwendig, einen Teil des Einkommens in anderen Berufen zu erzielen. Im Grunde ist es heute noch immer so, nur mit umgekehrten Vorzeichen, heute muss der Hof nebenbei bewirtschaftet werden. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels gibt es einfachere, einträglichere Möglichkeiten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen – ohne Doppelbelastungen.

Zum Tag des offenen Hofes waren befreundete Betriebe zu Gast bei Schüttenbuers, denen die Wahrnehmung ihrer täglichen Arbeit ebenfalls wichtig ist. Beruf von Berufung – auch Wittenbergs waren am Tag des offenen Hofes als Aussteller dabei. Sie haben entschieden, nicht mehr jeden Morgen 100 Prozent ihrer Milch abholen zu lassen, sondern eigenen Hofkäse und Milcheis herzustellen. Wirtschaftlich für den Betrieb sicherlich nicht interessant, aber es geht eben auch nicht immer nur um Geld und Wachstum. Niemand weiß das wohl besser als Landwirte. Nicht nur, dass sie schon immer abhängig vom Wetter waren und ein verregneter Sommer ebenso wie ein zu trockener Sommer ihnen einen Strich durch die Rechnung, durch die Höhe der erwarteten Erträge machen konnte, nein: Sie haben inzwischen zusätzlich mit globalisierten Märkten, mit ungleichen Arbeits- und Produktionsbedingungen, mit Börsenspekulationen von Rohstoffen, und darüber hinaus noch mit einer Flut an Formalien, Richtlinien und Nachweisen zu ringen. Und dann noch das Thema Subventionen – Empörungspotenzial auf allen Seiten, ein Instrument, um Wirtschaftszweige zu unterstützen, die sonst nicht bestehen können. Die Realität stellt sich in vielen Branchen durchaus anders dar. Aber in der Landwirtschaft ist es tatsächlich so und verhindert trotzdem nicht das „Höfesterben“ …
In der Pressemitteilung des Landvolks stand es schön formuliert: „Am Ende geht es bei Landwirtschaft immer um Lebensmittel und Essen. Und davon wird es beim Tag des offenen Hofes reichlich und vielfältig geben.“ Genau darum geht es und um die Fragen: Was wollen wir (in Zukunft) essen, wo soll es erzeugt werden und wie wird es produziert?

Am Tag des offenen Hofes haben viele Akteure der heimischen Landwirtschaft gezeigt, worum es ihnen geht. Was ihre Berufung ist und mit welcher Leidenschaft hier in der Lüneburger Heide „Mittel zum Leben“ erzeugt und zum Teil noch in handwerklicher Arbeit veredelt werden. Auf Schüttenbuers Hoff liegt der Schwerpunkt auf der Legehennenhaltung in Mobilställen, eine Haltungsform, die den Tieren ein höchstes Maß an Wohlbefinden mit Auslauf, grüner Wiese und frischer Luft bietet. Die Eier werden regional verkauft und darüber hinaus weiterveredelt zum Beispiel zu Nudeln und Eierlikör – Grundlebensmittel und Genuss gehen Hand in Hand. So ein Tag des offenen Hofes zeigt aber nicht nur, was der einzelne Betrieb macht und kann, er informiert darüber hinaus über landwirtschaftliche und landwirtschaftsnahe Themen. Mit der Hofrallye gab es nicht nur für junge Entdecker einiges zu erfahren und zu erleben, auch Erwachsene haben hier noch Neues lernen können – wie zum Beispiel, dass die Süßkartoffel trotz ihres Namens nichts mit unserer heimischen Kartoffelknolle zu tun hat.

Tipp: In den Sommer- und Herbstmonaten laden Höfe in unserer Region zu Hof- und Erntefesten ein und öffnen auch außerhalb des Aktionstages ihre Tore und Türen.
[Eva Neuls]

Daten zum Landkreis
Einwohner:innen: 94.362 (2022)
Landkreis-Fläche: rd. 1.450 km²
Landwirtschafliche Struktur: 54% der LK-Fläche werden landwirtschaftlich bewirtschaftet, davon 85 Prozent ackerbaulich (Speisekartoffel spielt besondere Rolle)
Öko-Fläche: 4859,7 Hektar, Anteil in Prozent: 6,7 (2023).

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