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Der Schreibtisch von…

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Foto: Kathrin Marie Arlt

Thomas Göllner

Stapelweise Stapel. Tabellen, Stellungnahmen, Statistiken, Pläne, Verkaufstabellen… An drei Seiten des Schreibtischs stapeln sich diese Stapel. In der Mitte ruht eine Unterlage mit vielen handgeschriebenen, kurzen Notizen. Dahinter Thomas Göllner. Betriebsleiter des Eigenbetriebs Stadtforst in Uelzen. Kurzum: Uelzens Stadtförster. Im Gespräch entsteht irgendwie der Eindruck: Ein Großteil dessen, was sich in akkuraten Ausdrucken und hingeworfenen Notizen mannigfaltig auf dem Schreibtisch findet, hat Thomas Göllner im Kopf. Natürlich nicht jede Zahl, jede Pflanze und jeden Baum. Aber Zusammenhänge, aktuelle Debatten, Prognosen, Geschichten über den Wald und die Waldwirtschaft.
Seit 33 Jahren ist der 59-Jährige im Uelzener Stadtforst. Und er fühlt sich offensichtlich wohl hier – am Schreibtisch mit all den planenden, wirtschaftlichen und administrativen Erfordernissen und in „seinem“ Wald. „Ab und zu bin ich unterwegs – mal sind Arbeitsgruppen in Hannover geplant, mal Absprachen im Rathaus oder ich beteilige mich an lokalen Kooperationen, wie beispielsweise dem Nachhaltigkeitstag. Aber die Musik spielt hier. Und das Schöne ist: Wenn ich raussehe, schaue ich ins Grüne, nicht auf graue Wände“. In Absprache mit seinen Kolleg*innen kann sich Göllner seine Zeit frei einteilen: „Normalerweise hält es sich die Waage. 50 Prozent der Zeit bin ich im Haus, die andere Hälfte verbringe ich draußen und in der Natur“.
Eine Ausnahme war das vergangene Jahr, nach dem großen Sturmtief im Februar 2022, das rund 9000 Festmeter Holz umgehauen hat. Das Stadtforst-Team ist bis heute mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Immer mal wieder. Überhaupt sorgen Stürme, aber auch die große Trockenheit im Sommer und der Borkenkäfer seit einigen Jahren für einen Extraberg Arbeit im Freien. Auf der Karte hinter dem Schreibtisch sind die Waldgebiete markiert, die in diesem Jahr ruhen sollen – und in einer anderen Farbe zeigt sich der Bestand der Flächen, der bearbeitet wird. Soweit der Plan. Allerdings: „Es kommt mir so vor, als würden wir den Gegebenheiten hinterherrennen, die uns die Umwelt diktiert. Und wir wägen ab: Was bleibt liegen, was muss weg – immer unter dem Aspekt der nachhaltigen Bewirtschaftung“, erklärt Göllner.
Dieses Prinzip der schonenden Forstwirtschaft verfolgen die Uelzer seit Anfang der 1970er Jahre. Göllner hat es von seinem Vorgänger Ernst Gerlach vermittelt bekommen – und übernommen. Wie auch die Geweihe an den Wänden, eine ziemlich große, gezeichnete Karte von der Region, die weit über 100 Jahre alt ist und den imposanten runden Tisch neben der Tür, dessen wirklich sehr dicke Platte aus einer rund 200 Jahre alten Eiche gefertigt wurde. Eine wesentlich kleinere Holzscheibe, an der eine Postkarte klebt, findet sich auf dem Regal hinter dem Schreibtisch. „Das war ein Abschiedsgeschenk eines Praktikanten“, erklärt Göllner, der, so der Eindruck, das Miteinander im Stadtforst zu schätzen weiß.
An der Tür des schmucken Forsthauses am Buchenberg, in dem sich Büros und Besprechungsräume finden, gibt es keine Klingel. Braucht es auch nicht. Besucher werden von Göllners ständiger Begleiterin, der Zwergdackeldame Trudi, lautstark angekündigt. „Allerdings kommen weit weniger Besucher oder Kunden als noch vor 20 Jahren. Viele Anfragen werden mittlerweile telefonisch oder per Mail geregelt. Manchmal kommt noch jemand persönlich vorbei, wenn es um Holzverkäufe geht, oder wenn nach einer Führung gefragt wird, und auch Jäger oder Kollegen von anderen Forstbetrieben“, zählt Göllner zusammen. Belebt ist das Haus dennoch: Neben den Kolleginnen und Kollegen gehen regelmäßig Bundesfreiwilligendienstler ein und aus – oder Praktikant*innen. An der Stelle muss Göllner lächeln. „Der Moment, wenn sie in ihrem Fragebogen eintragen müssen, wie groß ihr Arbeitsplatz sei… Wir rechnen ja eigentlich in Hektar und nicht in Quadratmeter. Aber dann sag ich halt: 9 Millionen Quadratmeter“.

[Kathrin Marie Arlt]

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