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Plastik, nein danke Vom Versuch, möglichst plastikfrei zu leben – Variante zwei

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Plastikfrei zu leben – geht das überhaupt in der heutigen Zeit? Einen Versuch ist es wert, doch wie vorgehen? Ich setze mich an den Laptop, um mehr herauszufinden, um wichtige Tipps zu bekommen. Doch darf ich das überhaupt? Denn auch im Computer ist schließlich Plastik verbaut, ebenso wie im Herd, im Kühlschrank, in der Gefriertruhe. Soll ich deswegen mein Essen über offenem Feuer kochen oder auf einem mit Holz beheizten Ofen? Soll ich immer nur so viel einkaufen, wie ich gerade verbrauchen kann, damit mir nichts verdirbt? Nein, das geht nicht. Ich dürfte nicht mehr mit dem Auto oder dem Fahrrad fahren, den Laptop brauche ich für meine Arbeit. Aber ich weiß, dass ich mich einschränken kann, wobei die Frage bleibt, wieviel umständlicher, schwieriger und eventuell auch teurer es für mich wird. Ein Abwägungsprozess, doch es ist einen Versuch wert, denn die Natur verlangt eine Veränderung in unserem Verhalten, wollen wir das Klima, die Meere und damit letztlich auch uns retten.

Also doch googeln unter „plastikfrei leben“. Innerhalb von 0,64 Sekunden habe ich 1.210.000 Treffer. Der erste ist eine Anzeige des World Wildlife Fund (WWF). Ich logge mich ein und werde gleich mit den Ökoproblemen dieser Welt konfrontiert und einmal mehr wird klar, dass es Zeit ist zu handeln. Nicht irgendwann, sondern jetzt.
Dabei tut sich 2021 schon etwas, denn neun Plastikprodukte werden EU-weit verbannt. Dabei handelt es sich unter anderem um Trinkhalme, Besteck, Teller, Luftballonstäbe, Rührstäbchen für Heißgetränke, dünne Plastiktüten, Getränkepackungen und sogenanntes „oxo-abbaubares“ Plastik. Doch das ist, betrachtet auf die anfallende Plastikmenge zum Beispiel bei Produkten des täglichen Bedarfs oder in der Industrie lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Ziel muss es EU- und schließlich weltweit sein, dass alle produzierten und genutzten Kunststoffe nicht nur wiederverwendbar und komplett abbaubar sondern auch kosteneffizient recycelbar sein müssen.
Gleichzeitig aber müssen auch die zu schaffenden Alternativen ebenso diese Bedingungen erfüllen, sonst ergibt sich nur eine Verschiebung des Problems auf andere Stoffe.

Vor diesem Hintergrund haben die Verpackungsindustrie in Frankreich und Deutschland 2020 einen „Aktionsplan“ zur Kreislaufwirtschaft aufgestellt, in dem es unter anderem um wirtschaftliche Aspekte wie die „Sicherung des Binnenmarktes“ aber auch um die „Reduzierung von (Über-) Verpackung und Verpackungsabfällen geht. Der Bundestag und der Bundesrat haben der Verordnung, die am 3. Juli 2021 in Kraft treten soll, bereits zugestimmt.
Auch den ToGo-Hype hat die Regierung in den Fokus genommen. So stehen Gastronomiebetriebe ab 2023 in der Pflicht, ihren Gästen auch Mehrwegbehälter anzubieten. Dafür wurde das Verpackungsgesetz verändert. Außerdem soll die Pfandpflicht auf alle Getränkeflaschen erweitert werden. So muss der Mindestrecyclingplastik-Anteil bis 2025 mindestens 25 Prozent betragen.

Das wird auch höchste Zeit, denn jährlich müssen allein in Deutschland mehr als sechs Millionen Tonnen Plastikmüll recycelt werden, noch greift das Mehrwegsystem nicht wirklich.
Bleibt nach dem möglichst plastikfreien Einkauf die Frage: Wie an der Kasse zahlen? Bar oder mit der EC-Karte aus Plastik? Da entscheide ich mich in diesen Zeiten dann doch für die Karte – der Gesundheit des Kassenpersonals gegenüber ist das nur fair. Manchmal geht’s dann doch irgendwie nicht ohne.

Fazit: Unverpackt ist nicht immer ganz einfach, aber es geht. Das beweisen auch die immer mehr werdenden „Unverpackt-Läden“. Wer möchte, sollte auch mal schauen, ob sich Second Hand das Gesuchte finden lässt.
Übrigens ist Plastik nicht gleich Plastik. Manche (schwarzen) Plastiksorten lassen sich zum Beispiel gar nicht recyceln, weil deren Code nicht maschinell eingelesen werden kann, wieder andere Plastikprodukte werben mit abbaubarem Plastik, wobei auch der in der Kritik steht. Manchmal heißt es vielleicht, ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen, etwas mehr Zeit aufzuwenden, um ein Produkt selbst herzustellen, doch das sollte uns die Natur wert sein.

Ganz plastikfrei zu leben, das scheint eben doch schwierig, doch wir sollten es, soweit es geht versuchen, damit wir in Zukunft wieder in plastikfreien Meeren und Flüssen baden können.

[Dirk Marwede]

Tipps für einen nachhaltigen Einkauf

  • Vor dem Einkauf einen Einkaufszettel schreiben
  • Alternativen zu mit Plastik verschweißten Gegenständen suchen
  • Auf Frischeprodukte setzen
  • Überlegen, was wirklich notwendig ist und was nicht
  • Regionale Produkte bevorzugen
  • wenn möglich, Essen selbst zubereiten