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Der Schreibtisch von…

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Sabrina Hansl

Mein Schreibtisch ist für mich …
kein fester Platz, sondern ein Ort, den ich mir überall kreieren kann. Hier kann ich sofort zentriert sein und konzentriert arbeiten.
Was darf auf meinem Schreibtisch auf keinen Fall fehlen?
Grüner Tee und das Foto meiner Uroma. Arbeite ich von unterwegs, so habe ich sie stets im Geldbeutel dabei.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Was müsste auf meinem Schreibtisch zu finden sein?
Hier müssten immer meine Kinder toben, meine Hunde zu meinen Füßen schlafen und meine Katzen auf der Tastatur schnurren. Ich würde mir wünschen, dass, egal an welchem Ort ich arbeite oder lerne, ich diesen geliebten Trubel mitnehmen könnte.

Ein über 100 Jahre altes Haus auf dem Land, zwei Kinder, zwei Katzen, zwei Hunde, Fische, Kaninchen, ein Ehemann – und mittendrin Sabrina Hansl. Sie lacht zur Begrüßung. Ja, das sehe hier immer so aus. Entspannt setzt sie sich an den Esstisch, auf dem auch eine der Katzen Platz genommen hat. Schriftstücke und Bücher finden sich hier – neben dampfendem Tee. Tatsächlich ist dieser Tisch – in vielerlei Hinsicht – der Arbeitstisch. Mittendrin.
Hier, wo heute ein offenes Wohn- und Esszimmer Raum greifen, sei einst ein Schafstall gewesen. Die niedrige Decke mag noch darauf verweisen. Lebendig sieht es aus. Kinderbücher finden sich hier ebenso wie Arbeitsunterlagen. „Das ist ein Familienzimmer – und kein Arbeitszimmer. Oder beides“, sie überlegt kurz, „ich brauche den Rummel, die Kinder um mich herum, die Tiere…“. Tatsächlich falle es ihr schwer, in aller Ruhe zu arbeiten.
Erprobt habe sie das mal – das mit der Ruhe. Direkt nach der Schule hat sie eine Lehre als Bankkauffrau gemacht. „Eine kaufmännische Ausbildung schadet ja nie. Aber das war definitiv nicht meins“, lacht sie rückblickend, „ich brauche viele Menschen und Trubel und immer wieder Neues“. Das Gute sei, dass sie sich quasi auf Knopfdruck fokussieren könne, wenn Entscheidung und Arbeit anstehen.
Und Arbeit liegt eigentlich bei Sabrina Hansl immer an. „Ich lerne extrem gerne. Und ich finde es sinnvoll, mit Menschen zu arbeiten“. Die studierte Ernährungswissenschaftlerin koordiniert gemeinsam mit Jana Hennings das Lebensmittelrettungs-Projekt in der Region, gibt Kurse an den Volkshochschulen in Uelzen und Lüneburg, dolmetscht auf Anfrage in Gebärdensprache, engagiert sich in der regionalen Kultur und Politik, berät Unternehmen in puncto Ernährung, … In die Karten spielt Sabrina Hansl bei dem Pensum, dass sie und ihr Mann sich gut organisiert haben, wenn es um den Haushalt, das Haus und natürlich die Betreuung der Kinder geht. „Wir sprechen uns ab, teilen uns die Aufgaben – und unternehmen auch eine Menge zusammen“. Das gemeinsame Essen beispielsweise sei ein wichtiges Ritual.
Interessen gibt es viele – allerdings sei von Anfang an das Thema „nachhaltige Ernährung“ ihr Steckenpferd. Da hat sicherlich ihr Biologiestudium eine gute Grundlage geboten, die Ernährungswissenschaften lieferten eine sinnvolle Ergänzung. Aktuell steht eine Ausbildung als Yogalehrerin an. Ein Traum, der sich dann noch erfüllen ließe: eine Fortbildung zur Heilpraktikerin. Wie das alles passt? „Ich betrachte Menschen und Dinge gerne ganzheitlich. Die positive Wirkung von Yoga habe ich sehr früh kennengelernt, ebenso die Tatsache, dass regionale und saisonale Lebensmittel gut, gesund und lecker sind … Für mich gehört das alles zusammen“.
Nach dem ersten villa-kunterbuntschen Eindruck mag der Anblick eines unfassbar aufgeräumten Schreibtisches hinter dem großen Sofa überraschen. Die 31-Jährige lächelt: „Das ist etwas gemogelt. Ich habe fast alles weggeräumt. Normalerweise sind hier stapelweise Unterlagen und Abrechnungen…“. Sie weist mit einer kleinen Geste auf den hübschen alten Holztisch mit gebogenen weißen Beinen vor dem Fenster, auf dem neben dem Computer viel Platz ist. Links findet sich eine Fotografie ihrer Uroma Elisabeth, mit der sie viel Zeit verbracht und von der sie viel gelernt habe: „Ich bin ihr sehr ähnlich. Und ihre unkonventionelle Art zu denken und zu handeln beeinflusst und unterstützt mich heute bei vielen Entscheidungen“. Auf der rechten Seite liegen Tablet und E-Reader. „Bis auf die Yogabücher habe ich fast alle Fachbücher digital…Das ist einfacher, wenn ich unterwegs bin“, erklärt sie. Und nach einer kurzen Pause: „Die Geräte sind mobil – und die Gedanken und Ideen habe ich auch immer mit dabei. Eigentlich wäre der Schreibtisch überflüssig“.[Kathrin Arlt]

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