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DAS WIRKEN DER KAUFFRAU HENRIETTE PRAESENT

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Ein „frauenORT“ für Uelzen

Die offizielle Geschichtsschreibung wird eher von Männern dominiert, Frauen waren aber auch in der Vergangenheit mitnichten nur für Küche, Kinder und Keller zuständig. Die Unternehmerin Henriette Praesent aus Uelzen ist ein gutes Beispiel dafür: Die Kauffrau und fünffache Mutter übernahm 1827 nach dem Tod ihres Ehemannes mit 45 Jahren die Geschäftsleitung der Firma Joh. Christian Praesent. Unter ihrer Führung stieg das Unternehmen zu einem der größten norddeutschen Landhandelsunternehmen seiner Zeit auf, das sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1856 führte. Das Unternehmen selbst bestand bis 1991.
Der Landesfrauenrat Niedersachsen will mit seiner Initiative „frauenORT“ das Wirken und die Leistungen von Frauen in der Stadt- und Regionalgeschichte sichtbar machen. Auch Henriette Praesent soll nun gewürdigt werden: Im September wird mit dem „frauenORT Henriette Praesent“ der erste „frauenORT“ in der Hansestadt Uelzen eröffnet. Zur offiziellen Feier am 17. September um 16 Uhr im Rathaus Uelzen sind unter anderem Daniela Behrens, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, die Vorsitzende des Landesfrauenrats Niedersachsen Marion Övermöhle-Mühlbach und die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann zu Gast. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können digital via Zoom an der Veranstaltung teilnehmen und sich bis zum 15. September per Mail anmelden bei tanja.neumann@stadt.uelzen.
Die Eröffnung des „frauenORTES Henriette Praesent“ ist für die Hansestadt Anlass für weitere, neue Angebote zu Frauengeschichte und Frauenkultur in Uelzen. So macht beispielsweise die Wanderausstellung „frauenORTE Niedersachsen – Über 1000 Jahre Frauengeschichte“ des Landesfrauenrates Niedersachsen vom 18. September bis zum 7. Oktober Station im Rathaus Uelzen. In Anlehnung an die Ausstellung findet am 18. Oktober ab 17.30 Uhr eine Quartett-Vorstellung mit Kirsten Lühmann statt. Die Stadtführung „frauenORT Henriette Praesent und andere (Kauf)frauen der Stadtgeschichte“ sowie eine Führung für Kinder zum Thema „Mädchen und Frauen in der Hansestadt Uelzen“ werden derzeit konzipiert und ab Mitte September in der Stadt- und Tourist*innen-Information buchbar sein. Die Stadtbücherei Uelzen weitet ihr vielfältiges Medienangebot von und für Frauen und Mädchen aus. Zudem ist die IHK Lüneburg-Wolfsburg anlässlich der Eröffnung des „frauenORTES“ mit ihrem Roten Salon am 22. September von 10 bis 12 Uhr in der Hansestadt Uelzen digital zu Gast. Weitere Infos zum Thema gibt es unter www.kts-uelzen.de/frauenort.
Zur Initiative „frauenORTE“ Niedersachsen bietet die Seite www.frauenorte-niedersachsen.de viel Wissenswertes, ab September wird dort auch Henriette Praesent aus Uelzen zu finden sein. In der Region gibt es lediglich vier weitere „frauenORTE“: Elisabeth Maske in Lüneburg, Marianne Fritzen in Lüchow und Eleonore Prochaska in Dannenberg und Eléonore d’Olbreuse in Celle. Bei ihnen zeigt sich, wie vielfältig Frauen gewirkt haben: Die Lehrerin Elisabeth Maske (1860 – 1937) brachte das noch junge Frauenturnen in die Öffentlichkeit und war das erste weibliche Ehrenmitglied des Deutschen Turnerbundes. Eleonore Prochaska (1785 – 1813) kämpfte in Männerkleidung als Soldatin gegen Napoleons Armee und durchbrach damit die für Frauen von der Gesellschaft auferlegten Schranken. Marianne Fritzen (1924 – 2016) war eine Wegbereiterin des gewaltfreien Widerstands gegen das Atomendlager Gorleben. Eléonore d’Olbreuse (1639 – 1722) nutzte ihren Einfluss als Ehefrau des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg, um verfolgten Hugenotten zu helfen. Nun kommt mit Henriette Praesent aus Uelzen eine Unternehmerin dazu.

[S. Fobbe]

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