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Pilgern im landrkeis Uelzen

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Pilgern in der Heideregion Uelzen?
„Lass uns mal pilgern gehen“, so der Vorschlag meiner Freundin Birgit. Pilgern? Ich? Etwa nach Santiago de Compostela? „Nein“, meint Birgit,“ nicht in Spanien, hier, bei uns, und zwar auf der Via Scandinavica, dem Jakobsweg, der von Fehmarn nach Göttingen auch durch die Heideregion Uelzen führt. Wir pilgern auf einer Etappe von 15 Kilometern von Kloster zu Kloster.“

Start am Kloster Medingen!
Dann ist es soweit. Wir treffen uns morgens um 10:00 Uhr direkt vor dem Kloster Medingen. Die Anlage, die nach einem verheerenden Brand 1781 im neuklassizistischem Stil wieder aufgebaut wurde, empfängt uns leuchtend in der Morgensonne. Doch heute wollen wir nicht das Kloster besichtigen, mit dem mächtigen Glockenturm, der integrierten besonderen Klosterkirche, seiner beeindruckenden, seit langem von Frauen geprägten Geschichte, dem wunderschönen Garten und den wertvollen Kunstgegenständen wie den Medinger Schriften.

Die Via Scandinavica und die Jakobsmuschel!
Stattdessen legen wir unsere Rucksäcke an und marschieren los. Auf unterschiedlichen Wegen für die nächsten drei bis vier Stunden, so dass Wanderschuhe, feste Kleidung und Proviant durchaus angebracht sind.
Zuerst klärt mich Birgit über die Via Scandinavica auf: Die Jakobusgesellschaft Norddeutschland rekonstruierte vor ca. 10 Jahren den fast 1000 Jahre alten Weg von Fehmarn aus, ganz so, wie die Menschen damals pilgerten, bzw. reisten. Sie orientierten sich an Flussläufen, Bächen, Megalithgräbern und später an Kirchtürmen. Wälder und Sümpfe wurden gemieden.

Das Pilgern beginnt!
Es geht also los, der erste Wegweiser mit Jakobsmuschel ist direkt vor dem Kloster, ein letzter Blick auf das wunderschöne Gebäude, und wir begeben uns auf den Weg durch Felder, die langsam und still aus dem Winterschlaf erwachen. Jedes Mal, wenn ich eine Muschel oder einen gelben Pfeil entdecke, freue ich mich wie ein Kind. Wir gehen manchmal schwätzend, manchmal schweigend. Man hört Autos in der Ferne und die Vögel zwitschern. Es ist, als ob alles zusammen gehört. Seltsam!

Etappenziel erreicht: Seedorf!
Wir kommen in Seedorf an. Der Ort wirkt heimelig, das Dorfgemeinschaftshaus einladend, die Fachwerkhäuser idyllisch. Das Leben erwacht, und ich irgendwie auch je weiter ich gehe. Die Jakobsmuschel führt uns auf einen Hohlweg Richtung ­„Goldberg“. Wir sind allein unterwegs. Es ist, als ob wir zur Natur gehören. Ich halte kurz inne. Die Ruhe ist seltsam spürbar.
Hohenbünstorf empfängt uns freundlich, ein Gasthaus und ein Hofladen mittendrin wirken einladend, Menschen in den Vorgärten und auf den Höfen begrüßen uns lächelnd.
Wir machen eine Pause, bevor wir uns wieder auf den Weg machen, durch die Felder und Wiesen, am Wald entlang in Richtung Klosterflecken.

Ebstorf – Ziel erreicht!
Der große Kirchturm des Klosters Ebstorf leuchtet schon von weitem. Es steht noch genauso da wie wahrscheinlich vor gut 600 Jahren, als Backsteinbau, groß, mächtig und ehrfürchtig. Ich denke an die berühmte Ebstorfer Weltkarte, die der Bau beherbergt und fühle eine besondere Stimmung. Wir sind am Ziel!
Ich halte inne und spüre: Es tut gut einen Weg bewusst zu gehen. Denn dann ist der Weg das Ziel. Birgit und ich jedenfalls freuen uns über diesen Tag, der nun mit einem Besuch im Kloster Ebstorf und danach mit einem leckeren Essen im Klosterflecken endet. Und ich bin mir sicher, ich gehe sie bald weiter, die Via Sandinavica, dann vom Kloster Ebstorf aus über den Schöpfungsweg zum Arboretum Melzingen und weiter über Gerdau und Böddenstedt bis nach Suderburg, bzw. ­Hösseringen.