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Ganz nah dran!

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Direktvermarktung, regionale Produkte und Sichtbarkeit für die Urproduktion von Lebensmitteln
Es ist einfach etwas anderes, das eigene Produkt noch in den Händen zu halten und diejenigen zu kennen, die es kaufen. Der Kontakt zum Kunden, das betonen alle, die ihre Produkte direktvermarkten, ist einfach eine Freude und überhaupt nicht damit vergleichbar, Lkw-weise Kartoffeln oder Rüben im Lager oder in der Fabrik abzugeben. Zwar wird auch das am Ende entlohnt, aber das eigene Erzeugnis ist in einer Zucker- oder Mehltüte verschwunden und in der Masse untergegangen.
Wochenmärkte haben die Tradition der Direktvermarktung in den Köpfen präsent gehalten, haben den Boom der großen Lebensmittelmärkte überlebt und die bäuerliche Kultur und den Draht zum Kunden aufrechterhalten, und das über eine lange Zeit, in der nur eine kleine Käuferschicht dies zu schätzen wusste. Seit ein paar Jahren wird ein anderer Trend sichtbar: Regionalität ist gefragt! Das Bedürfnis der Kund, wieder mehr Bezug zu den Produkten zu haben, die tagtäglich auf den Tischkommen, spiegelt sich auch bei Großanbietern wieder, die ebenfalls vermehrt regionale Produkte ins Sortiment aufnehmen. Und zwar echte regionale Lebensmittel: Kartoffeln oder Saisonobst vom Bauern aus der Region zum Beispiel.

Aber was ist eigentlich „regional“? Der Begriff ist gesetzlich nicht geschützt und wird durchaus auch irreführend in der Bewerbung oder Beschreibung von Produkten eingesetzt, um Verbraucher*innen ein gutes Gefühl beim Einkauf zu vermitteln. Also ruhig mal hinterfragen, was damit genau gemeint ist und wo das Lebensmittel wirklich herkommt. Für mich ist das regional, was in meinem Lebensumfeld produziert wird, in den ländlichen Räumen, in denen ich mich im Alltag bewege, in erster Linie der Landkreis Uelzen. Ich habe aber auch ein gutes Gefühl dabei, wenn Erzeugnisse aus unseren Nachbarlandkreisen kommen. Sozusagen Tagesausflugs-Entfernungen – für mich persönlich sind das maximal zwei Stunden Fahrtzeit, lieber nur eine Stunde. Aber am schönsten finde ich es, wenn ich mal eben um die Ecke gehen oder radeln kann. Als ich noch Kind war, war ich mit meinen Eltern oft zum Selbstpflücken in den Heidelbeeren oder Erdbeeren – das war ein Ausflug und ein gemeinsames Erlebnis, das dann zum Beispiel mit Vanilleeis und Früchten als Belohnung, mit den Füßen im Planschbecken baumelnd, endete.

Diese Nähe zu etwas, was für uns absolut existenziell ist, Essen, ist ein Grundbedürfnis, das wir im Zuge der rasanten industriellen Entwicklungen auch in der Lebensmittelindustrie der letzten 50 bis 60 Jahre zunehmend aus dem Blick verloren haben. Ich weiß nicht, woran es liegt – vielleicht an der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, die in den letzten Jahren stetig zugenommen hat, durch Medien und Social Media, durch berufliche Anforderungen, verschwimmende Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem … Diese Entwicklung hat auch das Bedürfnis der Menschen nach mehr Zeit für sich mitgebracht – eine „Work-Life-Balance“ zu finden und zu erhalten ist besonders für die „Generation Y“ viel stärker im Fokus. Interessant ist aber auch, dass soziale Medien wie Facebook und Instagram wiederum eine Nähe, ein Miterleben ermöglichen, auch der Landwirt von nebenan lässt uns teilhaben an seinem Lebens- und Arbeitsalltag.

[Eva Neuls]

Initia Medien und Verlag UG