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Trialog Suizidalität

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Foto: Gerd Altmann | Pixabay

Häufig gedacht – selten laut ausgesprochen

Der diesjährige Trialog der Psychiatrischen Einrichtungen in Uelzen beschäftigt sich mit dem Thema Suizidalität.
Etwa jeder zweite Mensch habe mindestens einmal in seinem Leben das Gefühl: ‚Es wäre vielleicht besser, wenn ich nicht hier wäre‘, weiß Till Wölki vom Sozialpsychiatrischen Dienst Uelzen zu berichten. Aber nur die Wenigsten würden darüber sprechen, wenn Gedanken an den eigenen Tod sie umtreiben. Sowohl ihm als auch Dr. Reinhild Schulze von der Psychiatrischen Klinik der Stadt ist es ein Anliegen, das Stigma, welches Selbstmordgedanken trotz ihrer Verbreitung heute noch immer anhaftet, zu durchbrechen. Das Wichtigste und Heilsamste ist ihrer beider Erfahrung nach, über seine Gefühle – die hellen wie die dunkelsten und abgründigsten – zu sprechen. Das passiert unter anderem auch bei dem seit 2019 viermal im Jahr stattfindenden Trialog ihrer Heimat-Institutionen, im Veranstaltungsraum der Psychiatrischen Klinik.

Wie der Name schon andeutet, gehören zu einem Trialog drei Parteien: Nicht nur das Personal der Einrichtungen, die mit psychisch Kranken arbeiten, sondern auch die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen sind an diesem besonderen Gesprächsformat beteiligt. Eine Tagesordnung oder vorgefertigte Themenblöcke gibt es nicht. „Das ist absolut offen. Es sollen ja alle zu Wort kommen und ihre Belange äußern können. Und ich glaube, da wäre ein zu straffer Rahmen eher hinderlich“, erklärt Wölki. Und Schulze ergänzt: „In der Regel ist es so, dass aus allen drei Gruppen eine Person ein kurzes Eingangsstatement hält. Und daraus entsteht immer schon eine sehr lebhafte Diskussion.“ Genau darum soll es bei dem Format auch gehen: Erfahrungsaustausch, den jeweils anderen Beteiligten mitzuteilen, wie man in seiner spezifischen Position das Thema wahrnimmt, das gegenseitige Verständnis vertiefen. Und zwar: jenseits von Behandlung, Arzt-Patienten-Verhältnis und solchen Dingen“, betont Schulze.

Sie klärt auch darüber auf, was unter einer suizidalen Lebenskrise überhaupt zu verstehen ist: „Suizidalität ist die gedankliche Beschäftigung damit, ob ich aus dem Leben treten möchte oder nicht, oder sogar eine Vorbereitung dafür, sich also zu überlegen: ‚Wie mache ich das?‘“ Auch ihrem Erleben nach treibt das viel mehr Menschen um, als man allgemeinhin annehmen würde. Und gerade, nicht darüber zu sprechen, erzeuge einen enormen Leidensdruck bei den betreffenden Personen – und auch bei Freunden, Familie und anderen im näheren Umfeld, die vielleicht Veränderungen im Verhalten desjenigen wahrnehmen und nicht wissen, wie diese einzuordnen sind. „Und deshalb ist es so wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, findet Schulze. Wölki bekräftigt: „Wichtig ist, dass man sich anvertraut. Man kann das relativ anonym tun über Telefonseelsorge oder die Deutsche Depressionshilfe. Hier vor Ort kann man sich an niedergelassene Psychiater wenden und an uns, den Sozialpsychiatrischen Dienst.“

Da bekomme man natürlich keine Lösung für seine Probleme auf dem Silbertablett präsentiert, aber man könne sich gemeinsam auf die Suche nach einem lebensbejahenden Ausweg machen, Schritt für Schritt, von Tag zu Tag. „Häufig denkt man ja, etwas kommt erst in die Welt, indem es ausgesprochen wird. Aber es ist genau umgekehrt. Es kann nur aus der Welt gehen, wenn es einmal ausgesprochen ist“, meint Schulze. Ihre Erfahrung mit Menschen in suizidalen Krisen sei in den seltensten Fällen, dass diese grundsätzlich nicht mehr leben wollten. Die allermeisten wollen nur nicht mehr so leben. „Und an diesem ‚so‘ kann man ja versuchen, zu arbeiten. Aber das kann man nur, wenn man dazu eine Sprache findet und ein Gegenüber hat, mit dem man das bearbeiten kann. Das ist das Wichtige.“
Mit Blick auf die Corona-Lage ist in diesem Jahr eine Anmeldung zum Trialog erforderlich. Wer zu den drei angesprochenen Gruppen gehört und Interesse an einer Teilnahme hat, kann sich bei Till Wölki ankündigen unter: t.woelki@sozialpsychiatrie-uelzen.de.

Weitere Informationen zum Trialog 2022 unter www.bruecke-uelzen.de/kooperationen/trialog
[Katharina Hartwig]

Initia Medien und Verlag UG

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