Seite lädt...

Aktuelles Allgemein Werbepartner

Abriss oder Neuanfang?

teilen

Das Kaufhaus Kort & Co. in Ebstorf

1711 beginnt in Ebstorf die Geschichte der Hökerei – also der Verkauf von Waren – mit dem französischen Koch „De la Fontaine“ in der Lüneburger Straße. Knapp 40 Jahre später übernimmt Balthasar Suhr den Laden. Es folgt eine lange Familientradition. 1911 brennt das Geschäftshaus ab. Schon ein Jahr später steht das neue Gebäude wieder, modern mit großen Schaufenstern, eher unüblich für die Zeit. In den nächsten Jahrzehnten passt sich die Familie Kort immer wieder an neue Bedürfnisse ihrer Kunden an, mal mit einem großen Sortiment an Geschirr, dann Werkzeug und Gartenartikel, später eine große Auswahl an Hundebedarf. Auch die Postfiliale wird übernommen, aber dann endet die Tradition doch vor ein paar Jahren. Das traditionsreiche Geschäft muss aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Über 300 Jahre lang kauften also Menschen aus Ebstorf und der Umgebung dort ein. Seit über zwei Jahren steht das Kaufhaus Kort & Co. nun leer.

Vor kurzem dann der Entschluss der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, das Haus mit seinen Nebengebäuden zu erwerben, mit der Absicht auf dem Gelände im hinteren Bereich, dort, wo der Speicher steht, eine Mensa für die Grundschule zu bauen, denn deren Bereich grenzt an den Besitz von Hans-Heinrich Kort. Das eigentliche Kaufhaus an der Lüneburger Straße allerdings wird nicht benötigt und soll abgerissen werden. An der Stelle ist ein Platz mit Sitzgelegenheiten und viel Grün geplant.

Der Gedanke, dass das Gebäude, das zum Ebstorfer Ortsbild gehört, abgerissen werden soll, hat engagierte Ebstorfer auf den Plan gerufen, die sich das nicht vorstellen können und wollen. Die Ebstorfer Bürgerinitiative „Zukunft für Kaufhaus Kort“ wurde gegründet und ein Bürgerbegehren angestrengt, das vom Verwaltungsausschuss des Klosterfleckens vor kurzem für rechtmäßig erklärt wurde. Ziel des Bürgerbegehrens ist, dass der Klosterflecken das Gebäude kauft, um es zu erhalten.

Einen Monat nach Mitteilung des Ergebnisses einer Kostenschätzung des Klosterfleckens beginnt dann die halbjährige Frist zur Sammlung von Unterstützerunterschriften. Die Initiative benötigt 10 Prozent der Wähler, also derzeit 465 Stimmen, damit der Klosterflecken einen Bürgerentscheid organisiert, der dann, ähnlich wie bei einer Kommunalwahl, durchgeführt wird.

Die Bürgerinitiative ist optimistisch. „Das müsste locker zu schaffen sein. Ein Kaufhaus dieser Art gibt es weit und breit nicht“, betont Erwin Jochem, einer der Initiatoren und selbst Architekt. „Es gibt so viel Bedarf, was man mit dem Gebäude machen könnte. Man muss es nur wollen.“ Seiner Meinung nach ist die Bausubstanz aus dem Baujahr 1912 grundsolide. Es sei eben lange Jahre nicht saniert worden. Aber es sei gepflegt. Man könne es einfach weiterbetreiben.

Derzeit werden in den Räumlichkeiten Bilder und Skulpturen des Künstlers Georg Münchbach ausgestellt. Jeden Samstag und Sonntag ist Falk Münchbach, der die Werke seines Vaters verwaltet, vor Ort und öffnet die Räumlichkeiten für interessierte Besucher. Aber auch, wenn man nur an den großen Fenstern vorbeigeht, hat man schon einen Eindruck von den wunderbaren Bildern. Eine Ausstellung, die aufzeigt, dass das Haus für vieles verwendet werden könnte, wenn es denn bestehen bleibt.

Tags: