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Eine Vielfalt Gefühlsschattierungen

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Lüneburger Vokalensemble unter Erik Matz feierte „Glaube – Liebe – Nacht – Natur“

Es war Internationaler Frauentag und es ist Frühling. Aber es ist auch Passionszeit. Wie verpackt man ein Konzert, alle diese Ansprüche zu bedienen? Das Lüneburger Vokalensemble war an diesem 8. März zu Gast in St. Marien. Die 15 Sängerinnen und Sänger erwachten nach eigenen Aussagen aus dem Dornröschenschlaf, in den sie Corona geschickt hatte, suchten sich einen Dirigenten, den sie bis dahin noch nicht hatten, und gestalteten ein Programm, das viele Facetten besaß und unter dem Titel „Glaube – Liebe – Nacht – Natur“ stand. Das Ensemble stellte sich der Aufgabe mit Ausstrahlung. Gäbe es etwas zu kritisieren, dann die zu lange Moderation, die den Drive und die Stimmung auch zerredete. In St. Marien hat es immer einen sehr informativen Programmzettel, da ist derlei nicht nötig.

Kantor Erik Matz erzählte vorab, dass er den Chor in „ersten Probe als außergewöhnlich klangschönes und versiertes Ensemble“ erlebte. Nun hat er also eine Aufgabe mehr. Einstudiert wird das Repertoire durch die Mitglieder selber, für diesen ersten Auftritt habe man dann „insgesamt 11 Stunden geprobt“, so Matz. Das Resultat sei jedoch, ohne zu übertreiben, außergewöhnlich gut, sagt er. Dazu kam, dass die Programmauswahl für diese 70 Minuten Konzert mit norwegischen, amerikanischen, französischen, schwedischen, englischen und deutschen Kompositionen einen großen Fächer der Musikliteratur bot und bewies, dass neben einer barocken und einigen romantischen Kompositionen besonders die zeitgenössische Chormusik packend und mitreißend sein kann.

Edvard Griegs „Ave maris stella“ gehörte das Entree. Von Anbeginn entfaltete der Chor ein beweglich seelenvolles Timbre, mit der die ausdrucksvolle Melodik gut aufgehoben war. Johann Sebastian Bachs Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ (BWV 226) erklang geradlinig, anmutig, ganz unsentimental. Es ist eine herausfordernde Partitur, die vielleicht an der einen oder anderen Stelle ein bisschen der Forcierung zu viel hatte. Die „Drei Chorgesänge“ von Peter Cornelius op. 11 pendelten zwischen dem Tod, der kühlen Nacht, dem Sturmwind, der gerne ein wenig stürmischer hätte sein können, und dem fröhlichen Frühlingstag, zu dem die Sängerinnen und Sänger aufforderten: „Genieße sie geschwind“.

Aufhorchen machte die Neue Musik, vor allem das hochdramatische „The Conversion of Saul“ von Randall Stroope (*1953). Schlagkräftig und wohlklingend, wobei sich die Dissonanzen harmonisch einzufügen scheinen, erzählte das Werk von der Wandlung vom Saulus zum Paulus. Mit starken Kontrasten in der Wahl der musikalischen Mittel. Bravo.

Es war ein Konzert mit zahlreichen Farben und in einer Interpretation, in der auch die Poesie der Worte nicht zu kurz kam und sich die Akteure sehr einleuchtend eine Vielfalt genauester Gefühlsschattierungen ersangen. Grundsätzlich herrschte eine Leichtigkeit des Tons und eine sichere Führung aller Stimmen. Erik Matz am Pult konnte zufrieden sein, und sicherlich wird er die Ausstrahlung dieses Ensembles weiter zu formen wissen.

Barbara Kaiser – 09. März 2026

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