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Nach vier Jahren endlich konnte ich wieder der Einladung meines Freundes folgen, ihn in Kanada zu besuchen. Als Überbleibsel der Pandemie-Zeit fand ich dort im Eingangsbereich eines Freiluftmuseums auf den Boden geklebte Pfeile vor, die für ein geordnetes Hin und Her sorgen sollten. Eine Grundschulklasse saß brav wartend im Gang an der Wand entlang auf den Fliesen. Bis auf einen Jungen. Als ich ihn höflich darauf hinwies, dass ich verpflichtet sei dem Pfeil zu folgen, auf dem er eben saß, blieb die Interaktion nicht folgenlos: Er machte mir nicht nur bereitwillig Platz. Bei jeder weiteren Begegnung auf dem Gelände lupfte der Junge nun sein Käppi, und auch andere Kinder grüßten mich fröhlich: „I’ve seen you! – „Ich hab dich (vorhin) gesehen!“. So bekam ich mehr als erhofft und erbeten. Die Fahrt in die vier Autostunden entfernte Hauptstadt Ottawa, die mir der Freund ein paar Tage später gönnte, war begleitet von heftigen Regenschauern und einer Tornadowarnung im Radio. Zuversichtlich folgten wir aber unserem Plan und kamen bei Sonnenschein und wenig Wind am Ziel an. Der Tornado tobte derweil 17 km südlich, wo er über einhundert Häuser beschädigte. „Wenn Engel reisen“? Nein, aber sicher begleiten. „Schlechtes Timing“, beklagte eine niedersächsische Landwirtin im Interview die Abfolge von Trockenheit im Frühjahr und Regenmassen im Sommer, durch die das Getreide am Halm bereits keimte oder verfaulte. Wenn die Ernte ins Wasser fällt oder umgekehrt, wird ihr ein Ernte- Dank folglich nicht leichtfallen. Im Schatten der Sankt Marienkirche rieb ein Mann, wohl einer Not und einer leisen Hoffnung folgend, mit dem Daumen die Münze des Ulenköper-Denkmals. Das Haupt geneigt, wie in Gedanken, ja, in Gebet versunken. Wie erfolgreich jedoch wird auf eine Sagengestalt zu setzen sein? Zumal jener, der kurz nach der dargestellten Szene von jungen Eulen, den legendären „Barftgaans“, die Kücheneinrichtung zertrümmert wurde! Meine Bemerkung: „Wie wäre es, nebenan in der Kirche bei Gott anzufragen?“, ließ der Angesprochene unkommentiert. Er entfernte sich still. „Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ – wenn sie denn erwartet, erwünscht und erbeten ist. Das aber taten und tun außer den jüdischen Gläubigen des biblischen Psalm-Lieds auch mein kanadischer Freund und ich. Infolgedessen erlebten und erleben wir immer wieder, dass die Hilfe tatsächlich kommt.

[Jürgen Trumann]

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