Es bleibt eine große Leere

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Fotos: Barbara Kaiser

Gerd Kreutz, die Institution der Bevenser Marketing GmbH, starb im Alter von nur 57 Jahren

Die Nachricht erreichte mich letzte Woche im Urlaub und auch die Sonne am Atlantik vermochte die Meldung nicht aufzuhellen: Gerd Kreutz – tot? Wenn einer noch jung ist – und 57 Jahre ist kein Alter –, macht es umso fassungsloser, dass die Tatsache nicht verhandelbar ist. Ja, er war krank und vor ein paar Jahren dem Tod schon einmal von der Schippe gesprungen. Aber dazwischen hatte er noch gearbeitet. Als wir uns das letzte Mal trafen, schwebte er mir wie immer an den Hals, umärmelte mich heftig und wir freuten uns. Weil zwischen uns die Übereinkunft war, dass wir in Sachen Kultur viele Dinge ähnlich sahen, uns über Gleiches ärgerten, aber bemühten, das Bestmögliche aus den Gegebenheiten  zu machen.

Seit unserem letzten Treffen gab es elektronische Meldungen aus dem Urlaub, zu den Geburstagen. Und jedes Jahr kam verlässlich die Karte zum Jahreswechsel. Es war immer ein Foto mit seinem Mann Klaus – ein schönes Paar! Und wenn es mal ein Singlebild war, war es unterschrieben mit „ein glücklicher Oerzener“, wo die Beiden ein Haus hatten. Ein WhatsApp-Video vor geraumer Zeit berichtete vom Besuch eines Eichhörnchens dort…

Gerd Kreutz war eine fröhliche Gewalt. Was hat er nicht alles organisiert und moderiert. Wie viele Ideen und Arbeit hat er investiert in seine Tätigkeit bei der Bad Bevensen Marketing GmbH. Und immer war er zu den (Abend)Veranstaltungen anwesend, obwohl er ja noch den weiten Heimweg hatte. Ich habe es bewundert, dass sein Optimismus anscheinend ungebrochen blieb, auch wenn er sich geärgert hatte. Über Leute, die das Wort „Kultur“ immer mit einer Art der spitzen Finger buchstabierten und sie schon mal für entbehrlich hielten. Gerd war ein Besserwisser der Dinge, die er wirklich besser wusste. Er hat neue Formate aus der Taufe gehoben wie die Sommermusik im Kloster Medingen und die Revue „Das Jahr in 100 Minuten“. Letzteres waren Mammutveranstaltungen mit Talk und Musik, die einen ungeheuren Aufwand erforderten; beispielsweise alle Gäste zum Termin auf die Bühne zu bringen und sich eine passende wie spritzige Moderation auszudenken.

Mit seiner Arbeit hatte Gerd Kreutz oft den „zwanglosen Zwang des besseren Arguments“ (Habermas) auf seiner Seite. Was er anpackte, wurde meist zum Erfolg; die Zuschauerzahlen im Kurhaus sollten ihm Recht gegeben haben. Während viele Zeitgenossen an den meisten Dingen nur durch Meinung beteiligt sind, nicht etwa durch Wissen oder gar Übersicht, war das bei Gerd Kreutz anders. Er besaß die Übersicht in seinem nicht kleinen Kulturbereich und er war ein ungeheuer emsiger Gestalter. Und er war ein geschickter Diplomat! Als er meiner Rezension über ein Konzert der Geschwister Hoffmann, das ein unsägliches Heile-Welt-Geschunkel war, zwar zustimmte, aber Ärger befürchtete, weil die Hütte voller begeisterter Leute gewesen war, einigten wir uns darauf, es dann eben nicht zu veröffentlichen. Verbot ist zwar ein Rat der Ratlosen, aber wir haben zusammen gelacht und: Bezahlt hat er mir den Text trotzdem!

Wir sind ja alle geneigt, uns zu wichtig zu nehmen. Gerd Kreutz hat sich nie selber zu wichtig genommen, sondern für die Sache geschuftet. Es war wirklich Kärrnerarbeit, auch gegen Widerstände. – Jetzt ist er nicht mehr da. Seine Neujahrskarte mit dem schönen Foto wird ausbleiben. Ich hatte eine wunderbare Zeit der Arbeit mit ihm, voller Kumpanei, Kompetenz und Fröhlichkeit. Das wird bleiben.

Barbara Kaiser – 04. Februar 2026