Gina Weigelt, Leiterin des Treffpunkts Kleiner Stern, Kinderhospiz- und Trauerbegleiterin. Foto: Janina Fuge
Treffpunkt „Kleiner Stern“ bietet Hilfe für Eltern von Sternenkindern
Womöglich merkt man Menschen an, wenn sie schon mit viel Traurigkeit konfrontiert waren. Bei Gina Weigelt ist das ein bisschen so: Ganz ruhig und behutsam spricht sie, warm, präsent. Es ist ein bisschen so, als könnten ihre Worte einen Raum öffnen, in dem alles gesagt, aber auch unausgesprochen bleiben darf. Vor fünf Jahren hat Gina Weigelt, 61 Jahre alt, gemeinsam mit einigen MitstreiterInnen die „Begleitergruppe Sternenkinder“ ins Leben gerufen, ein ehrenamtlich betriebener Anlaufpunkt für Eltern, deren Kinder still zur Welt kamen.
„Bis dato gab es in unserer Gegend niemanden, an den man sich wenden kann“, berichtet Gina Weigelt. Sie selbst ist seit 10 Jahren in der Sterbebegleitung ehrenamtlich aktiv, ist ausgebildete Kinderhospizbegleiterin, hat zudem im eigenen Familien- und Bekanntenkreis Berührung mit dem Thema gehabt.
Für Eltern, deren Kinder vor, bei oder kurz nach der Geburt gestorben sind, stellen sich viele Fragen – rechtlicher, seelischer, organisatorischer Natur. Aber nur selten gibt es Menschen, die zuhören oder Wege zeigen, wie man Abschied nehmen kann. Und so entstand die Idee: Gina Weigelt wollte einen festen Ort schaffen, an dem man unter Gleichgesinnten spricht, weint, schweigt, aber auch Hoffnung finden kann.
So wurde der Treffpunkt „Kleiner Stern“ ins Leben gerufen – Jeden zweiten Dienstag im Monat (außer im Juli, August und Dezember) gibt es Treffen im Gemeindehaus der St.-Johannis-Kirche im Uelzener Sternviertel. „Manches Mal sind wir nur zwei bis drei Leute, manchmal auch acht“, sagt Gina Weigelt. Meist kämen Frauen, auch Väter seien dabei gewesen oder Großeltern. Bei manchen ist die Trauer noch ganz frisch. Erst neulich sei aber auch eine Frau dabei gewesen, die ihr Kind vor 30 Jahren verloren habe. „Seien die verlorenen Menschen auch noch so klein – für die Eltern war es doch ihr Kind“. Ein Satz, der tief geht.
Eng vernetzt arbeitet die Gruppe inzwischen mit dem Helios-Klinikum, Hebammen, mit dem Bestattungshaus Kaiser oder dem für das Klinikum zuständigen Pastor Ulrich Hillmer zusammen. Ein zentraler Teil der Arbeit ist die Organisation von Beisetzungen und Gedenkfeiern: Gemeinsam mit den Eltern fertigt Gina Weigelt liebevoll kleine Nestchen, sie spricht und hört zu, gestaltet. Viermal im Jahr findet auf dem Uelzer Friedhof eine öffentliche Gedenkfeier statt, in deren Rahmen verstorbene Kinder aus dem Helios-Klinikum Uelzen gemeinsam beigesetzt werden – ein wichtiges Ritual, um der Erinnerung einen Ort zu geben.
„Mir ist diese Aufgabe wirklich ein Herzensanliegen“, sagt Gina Weigelt. Und das merkt man. Oft passiert Trauer im Verborgenen, beim Treffpunkt „Kleiner Stern“ ist man füreinander da. Das gibt Hoffnung – auch für Gina Weigelt: „Wenn ich merke, dass die Eltern wieder Vertrauen ins Leben finden – das ist für mich ein riesiges Geschenk“. [Janina Fuge]