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Gut angelegte Millionen

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Ein Besuch auf der Thüringer Landesgartenschau in Leinefelde/Worbis

Es ist ein Dreiklang aus Farben, Duft und Ästhetik. Eine Melange aus (N)ostalgie, Kreativität und einem Woher und Wohin. Die Rede ist von der Landesgartenschau Thüringen, die mit zwei Jahren Verspätung in Leinefelde/Worbis, also im Eichsfeld, stattfindet. Die Entscheidung für den Standort fiel 2018, die damalige Landesregierung unter Linken-Ministerpräsident Bodo Ramelow stellte 5,2 Millionen Landesmittel zur Verfügung. Dann kam Corona, später durchkreuzten archäologische Funde und Altlasten auf dem Gelände den Zeitplan. So eröffnete die Schau also nicht 2024, auch nicht 2025 – aber jetzt!

In der Endsumme wurden 150 Millionen aus den verschiedensten Fördertöpfen investiert, um 625 Hektar Natur neu zu gestalten und dauerhaft zu sichern. Was für ein Unterfangen! Am Ende werden die Wege und Bäume der Gartenschau erhalten bleiben und drumherum wird ein neues Wohnquartier, die „Gartenstadt“, entstehen. Wo einst 800 Garagen standen, werden 130 Wohneinheiten gebaut, von denen man nur hoffen kann, dass sie für alle Leinefelder zu bezahlen sind. Bis Oktober jedoch kann man noch lustwandeln auf dem weitläufigen Areal des Augartens (15 Hektar), der viele Angebote nicht nur für Gartenfreunde bereithält. Zwischen Schaugärten, landwirtschaftlichen Beiträgen, moderner Friedhofsgestaltung, Skatepark und vielen Spielplätzen, Festwiese mit Bühne – auf der insgesamt 1900 Veranstaltungen stattfinden – und der archäologischen Ausgrabung, die sichtbar gemacht wurde. Das alte Kirrode war ein kleines Dorf, immerhin mit Kirche, deren Grundriss in der Wiese sichtbar blieb. Rote Metallstangen imaginieren die Häuser, kurze Informationen machen Geschichte sehr lebendig.

Etwas außerhalb liegt der Lunapark mit „Tüffers Garten“, dem Gelände um die restaurierte alte Villa des Dr. Tüffers (1888 bis 1975). Dieser Mann war eine Mischung aus fachlicher (medizinischer) Exzellenz, sozialem Engagement (Gründer der DRK-Ortgruppe) und regionaler Verbundenheit. Das machte ihn zu einer prägenden lokalen Persönlichkeit – und die Einbeziehung seines Refugiums in die Landesgartenschau würde im sicherlich gefallen haben; seine Villa wird gastronomisch genutzt.

Eine ganz besondere Idee der Eichsfelder Gartenschau-Organisatoren ist ohne Zweifel das „Blumenhaus“. Hier versammeln sich in einem alten Plattenbau über vier Etagen Szenen von Floristikmeister Christopher Ernst, die mir manchmal ein bisschen zu verrückt und schrill sind. Ist Platz für eine Reminiszenz an die Tradition von Gartenbauausstellungen, die bekannteste der DDR war die IGA (Internationale Gartenbauausstellung) in Erfurt, Heimat berühmter Saatzuchtbetriebe. Gibt es zahlreiche, reich bebilderte Informationen zur Entstehung dieser Landesgartenschau. Und zum Schluss, in der obersten Etage, erwartet die Besucher:innen ein gewaltiger Happen Ostalgie in Form einer eingerichteten DDR-Wohnung. Sie ist aber eher eine der altmodischen Art, meine eigene sah ganz anders aus! Im Gästebuch steht dazu: „Danke, dass ich noch einmal im Wohnzimmer meiner Oma Platz nehmen durfte…“

Die Bewohner dieses entkernten und neu gestalteten Hauses lebten vor über 40 Jahren in einer bevorzugten Wohnlage – werden sie sich erinnern? Was ist wohl aus dieser jungen Familie auf dem Foto geworden, die gerade den Schlüssel für die 2000. Wohnung in Empfang nahm? – Summe: Ich habe fasziniert in den Kübeln mit Arzneipflanzen, die aus Thüringen kommen, gerührt. Im Duft der Kamille, von Salbei, Thymian und Lavendel. Der Kümmel war nicht so meins… Ich habe den Hut gezogen vor dieser Leistung, ein belastetes, hässliches Gelände in ein Paradies zu verwandeln, in dem man auch etwas über den Waldumbau, über Insektenschutz und moderne Gartenkunst jenseits von Schottergärten und sterilem Tennisplatzrasen ohne jedes Gänseblümchen lernen kann.

Die Landesgartenschau Thüringen ist von Uelzen aus in drei Stunden zu erreichen. Fahren Sie hin!

Barbara Kaiser – 18. Mai 2026