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Das Werk engagierter Bürger/80 Jahre Kulturkreis gefeiert

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Herzstück der Hansestadt

Bürgermeister Jürgen Markwardt bedankt sich stellvertretend bei der ersten Vorsitzenden, Dr. Janina Fuge

Bürgermeister Jürgen Markwardt bedankt sich stellvertretend bei der ersten Vorsitzenden, Dr. Janina Fuge

„Sagen wird man über unsre Tage:/ Altes Eisen hatten sie und wenig Mut,/ denn sie hatten wenig Kraft nach ihrer Niederlage.“ Das sind Zeilen aus einem Gedicht von Kurt Barthel (1914-1967), es wurde vertont von Hanns Eisler. Mit diesem Vers traf der Dichter, der ansonsten kein großer war, den Punkt, die Zeit nach 1945 betreffend. Die Zeit der Hoffnungslosigkeit, des Elends, der Verzweiflung, der Schuldzuweisung und Verdrängung. Es gab jedoch nicht nur in dieser Stadt engagierte Bürger, die sich die Frage stellten, was neue Identifikation stiften könnte neben den großen Alltagssorgen. Und sie gründeten am 4. November 1946 den Kulturkreis, der in kürzester Zeit über 900 eingeschriebene Mitglieder hatte. Diese acht Jahrzehnte wurden im Theater an der Ilmenau nun gefeiert. Auf sehr passende Weise genau an diesem Tag, dem 4. November, mit Wolfgang Borcherts Stück „Draußen vor der Tür“ https://barftgaans.de/nicht-wegschauen/  im Gastspiel des Neuen Globe Theaters Potsdam. Zwei Tage später mit wohlgesetzten Reden und fröhlicherem Programm.

Bürgermeister Jürgen Markwardt hielt eine sehr persönliche Rede und erzählte, dass er in einer Familie groß wurde, die man heute eher „bildungsfern“ nennt. Als Sohn einer Hafenarbeiterfamilie erfuhr man als Kind nicht den Luxus des monatlichen Theaterbesuchs oder einer privaten Bibliothek. Dass es der 1968 Geborene am Ende dennoch zu etwas brachte, ist offensichtlich. Der Kulturkreis habe seinem Leben ein Puzzleteil hinzugefügt, sagt er, habe seinen „geistigen Acker“ mitbestellt. „Der Kulturkreis gibt der Stadt Farbe und eine Nuance, die sie ohne ihn nicht hätte“, so Markwardt weiter. Der Verein ist „ein Herzstück der Hansestadt“.

Der Erste Kreisrat Dr. Björn Hoppenstedt nannte die Gründung des Kulturkreises einen „Ausdruck der Zuversicht“ und betonte, dass Kultur Lebensqualität sei und Menschen zusammenbringe. Ja, Kultur sei teuer, so der Redner, aber es sei eine „Investition in die Zukunft“. – Die heutige Vorsitzende, Dr. Janina Fuge, kam zu dem Ergebnis, dass die Gründung des Kulturkreises vor 80 Jahren eine Antwort auf die Frage war: Was hält uns zusammen. „Wir feiern aber nicht nur eine Institution“, so Fuge weiter, „wir feiern die Menschen!“ Kulturelles Leben entstehe nur, wenn die sich begeistern, sich an die Arbeit machen und die Treue halten. Die Rednerin bedankte sich bei wirklich allen hinter den Kulissen und beim Publikum; sie hätten den Kulturkreis zu dem gemacht, was er heute ist. Die Publikation zum Jubiläum „80 Jahre – 80 Köpfe“ zeugt davon, wie der Verein vom Miteinander lebt, wie er ausgestaltet und getragen wird von den Bürgern dieser Stadt.

Dann wurde es fröhlich: Die drei Herren von „Tridiculous“ hatten die Bühne für sich. Semion Bazavlouk, Rostyslav Hubaydulin und Ihor Yakymenko, Breakdance-Pionier, der Sohn eines sowjetischen Zirkusartisten mit Sportakrobatik-Wurzeln und der Bewegungs- und Musikkünstler (Absolvent der Staatlichen Artistenschule Berlin) boten eine Mischung aus Musik, Akrobatik und Komik. Es war nichts Spektakuläres, jeder chinesische Zirkus böte das -zig Schwierigkeitsgrade höher. Aber es war das perfekte Timing von allem, zwischen Moonwalk à la Michael Jackson und dem Geräuschemacher, den früher der Stummfilm so dringend brauchte und den der alte Schlager besang. Es war sympathischer Klamauk, bei dem einer immer der dumme August ist. Die Wortschöpfung des Namens aus dem griechischen „Tri“ (drei) und dem englischen „ridiculous“ (albern) trifft es perfekt.

Die Geburtstagsfeier für einen 80-Jährigen bewies, dass der ganz schön agil und lebendig ist. Und von dem noch eine Menge zu erwarten bleibt.

Barbara Kaiser – 07. November 2026

 

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