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Klingende Verbeugungen

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Valentin Dymke – der Benjamin

Erstes Abschlusskonzert der Sommerakademie mit Mozart, Mozart, Mozart aber auch Brahms, Monti und Takács

Jubelnder Applaus ist bei den Konzerten der Sommerakademie gang und gäbe. Manchmal ist er jedoch langanhaltend und man spürt des Publikums Dankbarkeit für einen so gelungene Musikabend und die Erleichterung der jungen Musikerinnen und Musiker gleichermaßen. Der 17. Internationale Meisterkurs bog auf die Zielgerade, wie immer zuerst im Kloster Medingen, das ja auch Unterrichtsort ist. Deshalb bekam Äbtissin Püttmann den obligatorischen Blumenstrauß und das Dankeschön der Veranstalter. Der ging ausdrücklich auch an die Sponsoren, „ohne die nicht so gearbeitet werden könnte, wie gearbeitet wird“, betont Professor Hinrich Alpers stets. Und: „Dann würde es viel weniger Spaß machen.“ Als Publikum hätten wir dann ebenfalls weniger Vergnügen und Genuss. Letzteres vor allem. Denn in den Konzerten der Sommerakademie erfährt das Wort Lebensfreude eine musikalische Übersetzung, indem hohes Können und Spielwitz eine Liaison eingehen. Das wäre jetzt schon die Laudatio auf den 17. Jahrgang. Aber ein Konzert kommt ja noch.

Yori Gubarew (10) spielte Zeitgenössisches

Der Beginn kam dieses Mal Peiqin Liu (20/China) zu, die den ersten Satz, Allegro, aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert A-Dur KV 219 spielte. Dieses Werk aus der Hochzeit des Violinspiels mit der elektrisierenden Spannung der aufsteigenden Dreiklänge im ersten Satz vollbrachte sie mit charmanter Leichtigkeit und hellen Glücksmomenten. Für das folgende Schwesterwerk, das Violinkonzert G-Dur KV 216, waren Zilin Xu (19/China) und Noa Moyal (22/Israel) für die ersten zwei Sätze, Allegro und Adagio, verpflichtet worden. Sie brachten es intelligent geschärft und spielerisch souverän (Xu) und von einer großen träumerischen Nachdenklichkeit (Moyal) zu Gehör. Wobei die Chinesin mit einer betörend selbstbewussten und dennoch bescheidenen Ausstrahlung bezauberte.

Danach gab es den ersten Jubel: Nach dem Auftritt des gerade neunjährigen Valentin Dymke (Deutschland). Der trat auf mit dem Csárdás von Vittorio Monti, diesem beliebten Virtuosenstück für die verschiedensten Instrumentierungen; Valentin ist Geiger. Natürlich hat so ein junger Musiker den Bonus der Jugend. Aber wie er diesen typisch heiseren Zygan-Geigenton traf und in rhythmischer Kraft und melodischem Charme zu fesseln wusste, das war sehr wohl beeindruckend. Begleitet wurde der Junge von Kensei Yamagushi, dem verlässlichen Korrepetitor, der sehr flinke Finger brauchte. Denn dass der Solokünstler seinem Begleiter nicht davon laufen darf, das lernt er bestimmt noch.

Zilin Xu aus China ist 19 Jahre alt

Viel älter wurden die Musikerinnen nach der Pause nicht: Yori Gubarew (10/Deutschland) imponierte mit der Toccata pour le piano von Jenö Takács, des österreich-ungarischen Komponisten (*1902). Sehr charismatisch, bei aller Dramatik war jede Feinheit der Struktur, jede melodische Linie denoch subtil ausmusiziert. Luise Bold (12/Deutschland) ist eine alte Bekannte, die im ersten Akademiekonzert mit der Rigoletto-Paraphrase von Liszt brillierte. Dieses Mal legte sie sich Johannes Brahms` Scherzo e-moll op. 4 aus dem Jahr 1851 vor. Es sollte damals die Visitenkarte des gerade 19-jährigen Brahms sein, die Einflüsse Chopins sind unüberhörbar. Robert Schumann pries in einem Artikel in einer Musikzeitschrift „einzelne Clavierstücke, theilweise dämonischer Natur von der anmutigsten Form“. Er meinte wohl auch diesen Brahms. Die zwölfjährige Interpretin vereinte die Poesie der intimen Gestaltung mit dynamischer Empfindsamkeit und fein artikulierter Virtuosität. Wobei Virtuosität kein inflationärer Begriff sein sollte, denn er kommt ja eigentlich von „virtus“, was Tugend bedeutet.

Zum Abschluss setzten sich Philip Hahn (16/Deutschland), Paris Chen (22/Taiwan) und Wanqi Wang (18/China) an den Flügel für die drei Sätze Allegro, Adagio, Allegro des Klavierkonzerts A-Dur KV 488. Es erblühte unter ihren Händen zu bezaubernder Klangrede. Perlend, wie eben erst entstehend bei Hahn und Wang. Den zweiten Satz und dessen sensibles Innenleben füllte Chen ohne Kapriolen bewegend aus, mit spannungsgeladenem, langsamem Zeitmaß. Das Kammerorchester „Wratislavia“ aus Wrocław realisierte mit allen Solisten eine wahrhafte, eindrucksvolle Kohärenz. Unter der Leitung von Konzertmeisterin Danuta Drogowska wurden die Erwartungen erfüllt durch eine sehr solide Orchesterkultur, die manchmal sinfonischen Sound entwickelte, immer aber die Solisten als Partner unterstützte. Es war ein beeindruckender Abend.

Blumen fürs Orchester

Barbara Kaiser – 08. August 2026

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