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Einfach inhalieren

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Beim 6. St.-Marien-Sommerkonzert saß Erik Matz mit „Passacaglia“ an der Orgel

Das Mittelschiff war wieder gut besetzt auch beim sechsten St.-Marien-Sommerkonzert, für das sich Erik Matz die Passacaglia in den Fokus genommen hatte. Diese klassische Musikform des langsamen Tanzes aus dem Barock, der sich ursprünglich aus dem spanischen Straßen- und Volkstanz entwickelte. Eine kunstvolle Instrumentalform wurde sie im 17. Jahrhundert in Italien. Ihr Merkmal: Ein prägnantes Motiv bildet das Fundament, worüber der Komponist zahlreiche kunstvolle Variationen entfaltet. Es ist ein Ostinatothema, ein sich ständig wiederholendes, worauf die Passacaglia basiert.

Erik Matz spielte drei Stücke: Natürlich das von Johann Sebastian Bach, das Maß aller Dinge. Aber auch der hatte sich nur anregen lassen. In der norddeutschen Orgelmusik bei Buxtehude zum Beispiel und bei den Franzosen. Denn Bachs Grundthema hat eine auffällige Ähnlichkeit mit einem von André Raison (1640 – 1719). Die Kunst: Der Eisenacher Musiker verschmolz das Norddeutsche mit dem Französischen, hielt sich an den Dreivierteltakt und komponierte 20 Variationen. Bei denen gibt es eine Steigerung bis zur Nr. 12, es folgen drei schlichtere ohne Pedal, danach noch einmal fünf. Die Fuge schließt nahtlos an. Das Ganze steht in der Musikliteratur unter Passacaglia und Fuge c-moll BWV 582.

Allen 20 Variationen auf der Spur zu bleiben, war unmöglich bei dieser Polyphonie. Dazu kam, dass Erik Matz ungewöhnlich barockig-träge spielte, nicht so schlank wie sonst. (Ja klar, es war Bach.) Aber was soll die Theorie: Man kann diese Musik nur inhalieren, sich zurücklehnen. Dem Organisten gelingt Souveränität in der Darbietung, aus der Erfahrung spricht. Mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. Bei der lustvoll dröhnenden Fuge hatte man sowieso lange aufgehört, den Noten hinterherzulauschen.

Die nächste Passacaglia war eine von Dietrich Buxtehude. In D BuxWV 161. Sie war der von Bach nicht unähnlich. Viel weniger pompös entfaltete sich erst die von Johann Kaspar Kerli, 60 Jahre älter als Bach. Ganz zierlich, weil sie ohne Pedal musiziert wird. Eher im Stile einer Hirtenflöte. Das war feinsinnig und nuanciert dargebracht. – Am Ende noch ein 30-Minuten-Monsterwerk, die Sonate Nr. 8 e-moll op. 132 von Joseph Gabriel Rheinberger. Die Frage, was eine Sonate hier zu suchen hat, beantwortet sich leicht. Nach den Sätzen Introduction-Fuge, folgen Intermezzo, Scherzoso und – Passacaglia als Satz vier.

Der Solist pendelt zwischen grandios-dynamisch und wehmütig-leise. Er spielt mit Biss, aber nicht verbissen. Es ist die volle Romantik-Droge, ein kreatives Feuer, das unter den Händen und Füßen von Matz einen schwingend-eleganten Ausklang findet. Für diese Leistung gab es langen Beifall.

Am Samstag,15. August 2026, sind Volker Jaekel und Gerd Anklam zu Gast im bereits siebten Sommerkonzert. Titel: „Mit 3 Orgeln und 2 Saxophonen um die Welt“. Zum Genre der Noten verlautbarten die Beiden nichts, lassen wir uns also überraschen. 16.45 Uhr, St. Marien.

Barbara Kaiser – 09. August 2026

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