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Anna Susanne Jahn arbeitet im Kloster Ebstorf und stellt neueste Arbeiten aus: „83 Bäume“/Vernissage Samstag, 02. Mai 2026, 16 Uhr, Propsteihalle

Wie lange kenne ich Anna Susanne Jahn eigentlich? Es ist eine Ewigkeit; es sind fast 30 Jahre. Sie war neben Werner Steinbrecher (1946 – 2008) eine der ersten Künstler:innen, über die ich hier in der Heide schreiben durfte. Immer wieder. Über die Ausstellungen im BBK, im AZ-Foyer, als das noch, Dank Horst Hoffmann, monatlich für Kunst geöffnet war, in der Galerie Emern…

Der Weg der Hamerstorfer Künstlerin, die in Wolfenbüttel geboren wurde, ging über „Wolkenbilder“, die sich dann in das wandelten, worin sie sich immer zu spiegeln hatten: In „Ozeane“. Später kam sichtbares Leben dazu. Die „Zwiegespräche“ bevölkerten Frosch und Libelle, anderes Getier wurde danach in den „Schöninger Schichtungen“ ausgegraben. Immer aber ist sich die Malerin, die die Monotypie, den Einmaldruck, bevorzugt, treu geblieben, denn die Bilder sind alle ein Mikrokosmos aus dem Makrokosmos Landschaft. Den man auffächern kann bis zwischen das Geäst oder die Grashalme; wenn man sich die Mühe macht natürlich nur. Anna Susanne Jahn hat sie sich gemacht und ist oft genug auf Knien gerutscht vor lauter Forscherdrang. Auch aus Demut vor der Natur, die sie unter die Lupe und in ihr künstlerisches Schaffen nimmt.

Neben dem Druck entwickelte die inzwischen 65-Jährige das Aquarell zur Perfektion. Sie gab Kurse an der Volkshochschule und hat eine Schar dankbarer Schüler:ïnnen dafür begeistert. Auch auf Amrum, wo Anna Susanne Jahn inzwischen seit 20 Jahren lebt, kann man in ihrem Atelier einen Workshop belegen Und natürlich arbeitet sie unermüdlich an Eigenem. Tochter Mareike sagte einmal, als sie fünf war: „Mama malt Müll“. Das fanden alle witzig. Es gab aber immer auch Raum für so viele Entdeckungen. Eine zerknüllte Coladose im Sand. Ein Rollmops zum Anbeißen. Eine zerzauste Strandrose. Es sind unglaubliche Miniaturen. Der schnelle erste Blick erfasse das Motiv, sagte Dr. Else Fricke anlässlich einer Vernissage in Emern über die Bilder. Der zweite und jeder weitere jedoch die Qualität der Arbeit, deren Lebendigkeit und die dargestellte Vielfalt.

Jetzt ist Anna Susanne Jahn zurück im Landkreis. Sie durfte sich neun Wochen lang im Kloster Ebstorf einmieten, wo sie arbeitet und Kurse gibt. Zusätzlich präsentiert sie eine Ausstellung mit neuesten Werken. Die haben eine Vorgeschichte, über die man sich nur aufregen kann, sind einem die Natur und die Landschaft wichtig: Eine alte Jugendstilvilla samt Park wurden auf Amrum platt gemacht für die fixe Idee eines quadratisch-praktisch-nicht-gut Würfels, in dem das „Haus des Gastes“ residieren soll. Die mehr als 100 Bäume, viele Jahrzehnte alt, sind weg, es klafft eine eingezäunte Baugrube, an der – nichts passiert. Uelzenern dürfte das beim Stichwort Veerßer Klinik sehr bekannt vorkommen. Auf Amrum gab es ein Bürgerbegehren dagegen, genützt hat es nichts. (Der Bürgermeister fährt Porsche Cayenne!) Auf einer Insel (und nicht nur dort) alte Bäume zu fällen, wo sie sowieso langsamer wachsen, darf man Umweltverbrechen nennen, und dass es passieren durfte, ist einfach unbegreiflich in diesen Zeiten.

Anna Susanna Jahn regte sich genauso auf, wie diese Zeilen hier klingen. Mit ihren Arbeiten hat sie diesen Bäumen ein Denkmal gesetzt. Sie nahm deren Blätter und brachte die eigene Druckerseele wieder zum Blühen, wie sie sagt. Es ist ja eine sehr alte Methode, schon Alexander von Humboldt hat es so gemacht, um im fernen Berlin einen Eindruck von der Fauna seiner Forschungsreisen nach Amerika und Fernost zu vermitteln. Ein lebendiges Blatt taugt für einen Druck, manchmal für zwei, für mehrere nicht.  Und so druckte Jahn mit den Blättern von Robinie, Eiche und Linde, Ahorn, Buche und Weide. Diese Monotypie ergänzt sie dann. Nein, sie werden nicht koloriert, sondern erhalten eine Beigabe. Eine Kirsche, einen Pilz oder eine Quitte. Eine Kornblume, eine Johannisbeere oder eine Heuschrecke.

„Das sind formale Spielchen, die ich genieße“, sagt Anna Susanne Jahn. Sie freue sich zudem über „die Erfindungen und Finessen der Natur“, und: sie feiert deren Schönheit. Das Raumgreifende der Bäume lebt auf dem weißen Papier, das nicht im üblichen Sinne eine Begrenzung hat, in einem einzigen Blatt.  Das macht sie übermächtig und gewaltig. Auch im Kleinen. ( Was man übrigens nicht erkennen kann, wenn man im Porsche durch die Landschaft donnert.) Die Künstlerin begibt sich achtsam in diese Schöpfung, und sie leidet, wenn der Mensch sie knechtet…

Im Kloster Ebstorf wird Anna Susanne Jahn in den Damengärten arbeiten, sich mit dem Gemüse, den Kräutern und Altarblumen befassen. Und sie wird die Blumen wiederauferstehen lassen, die einst, als das Kloster noch Marienwallfahrtsort war (vor der Reformation), gebräuchlich waren. Täglich wird die Künstlerin ein Bild austauschen; die „83 Bäume“ wird es am Ende nicht mehr geben, sie sind ersetzt durch lebendige Natur auf den neuen Arbeiten.

Am Samstag, 02. Mai 2026, um 16 Uhr, ist in der Propsteihalle Vernissage. Es spricht Professor Wilfried Köpke aus Hannover. Alle Workshops finden sich auf der Homepage des Klosters und der der Künstlerin: www.kloster-ebstorf.de oder www.annasusannejahn.de     Einen zusätzlichen Aquarellkurs gibt es am 30. Mai 2026, 9.30 bis 13 Uhr.

Barbara Kaiser – 30. April 2026

 

 

 

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