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Einweg ade!

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Fotos: Kathrin Marie Arlt

Eine etwas ungewöhnliche Umsonst-Aktion

Jana Hennings

Jana Hennings macht das Licht in dem kleinen Kellerraum an. Offene Regale an drei Seiten, ein Schrank mit Türen und Schubladen. So weit, so normal für einen Kellerraum. Nur finden sich in dem Einfamilienhaus in Oldenstadt nicht Einweggläser, Camping-Utensilien oder Werkzeug in den Regalen, sondern Tassen, Gläser, Besteck, Terrinen, Schüsseln, Vasen, Kannen und Teller, Teller, Teller.

Eine bunte Sammlung hat sich in den vergangenen zwei Jahren eingefunden. Und das nicht, um auf dem nächsten Flohmarkt verscherbelt zu werden. Fein säuberlich sortiert und in selbstgefertigten, farbigen Stoffbeuteln staubsicher verstaut, wartet diese kunterbunte Melange auf das nächste Fest. Oder eine Gartenparty. Oder einen Geburtstag. Dann nämlich gibt es Jana Hennings raus. Ohne Gebühr. Ohne Formalitäten. Einfach so.

„2020 habe ich eine Reportage gesehen über ein Konzept, das nannte sich Tischlein deck dich. Melanie Tönnies aus dem Landkreis Göttingen gründete 2018 einen kostenlosen Geschirr-Verleih“, erzählt Jana Hennings. Sie kann sich noch gut an ihre Begeisterung erinnern: „Statt Einweggeschirr bei Gartenpartys kann man sich so für 20, 40 oder auch 100 Gäste seine Teller und das Besteck einfach ausleihen. Mir gefiel der Gedanke sofort und ich stellte bei Facebook in einer Uelzen-Gruppe mein Vorhaben zur Diskussion. Die Resonanz war durchweg positiv.“ Also begann Jana Hennings ihre doch sehr spontane Idee nicht weniger spontan in die Tat umzusetzen.
Der erste Schritt: Sie nahm mit der Urheberin Kontakt auf, um zu klären, ob sie den Namen „Tischlein deck dich“ und den Slogan „Einweg ist kein Weg“ auch für den Uelzener Raum verwenden dürfe. Kein Problem. Im Gegenteil. Das sei ganz im Sinne der Erfinderin. Dann wurde gesammelt, was Freunde, Bekannte, Familie und spontan Begeisterte hergaben. „Es ist wirklich eine bunte Mischung. Bis auf das weiße Geschirr mit dem Goldrand. Da gibt es bei Bedarf 130 einheitliche Kuchenteller“. Allerdings finden viele, die sich hier in Oldenstadt Geschirr leihen, gerade dieses Sammelsurium charmant.

Einfach teilen und teilhaben lassen. Von der Urheberin bekam Jana Hennings auch die Schnittmuster für die Beutel, in denen Teller und Besteck aufbewahrt werden. Diese Art der dekorativen Verpackung sieht nicht nur hübsch aus, die erleichtere den Transport ungemein, weiß die 43-Jährige, die spontan auch mal einzelne Teile verschenkt, wenn sich jemand in eine Kanne oder Schüssel verguckt hat. Und wenn mal was zu Bruch geht? „Kein Problem. Dann sagt man Bescheid. Ersatz findet sich schnell“, lächelt Jana Hennings entspannt.

Was diese Art der Umsonst-Unterstützung für die Oldenstädterin so sympathisch reizvoll macht, ist nicht nur ihre Leidenschaft fürs Sammeln und Werkeln oder die Freude am Kontakt mit Menschen. Es ist tatsächlich die Idee für nachhaltiges Handeln: „Ich kann altes Geschirr, was keiner mehr will, vor dem Müll ‚retten‘, es kann problemlos auf Einweg-Geschirr verzichtet und noch mehr Müll vermieden werden“.

Die Idee, mit „echtem“ Geschirr Gäste zu bewirten ist nicht nur nachhaltig, sondern offenbar auch begehrt. Nach einer ruhigen Anlaufphase während Corona, häufen sich nun die Anfragen, die Jana Hennings in einem Kalender notiert. „Bevor wir in den Urlaub fahren, ist der ganze Bestand einmal verteilt“, sagt sie. Und während in Uelzen die Kontakte über Facebook oder Mund-zu-Mund-Propaganda laufen, schlägt sie bundesweit allmählich große Wellen. Die „Tischlein deck dich“-Pionierin Tönnies beispielsweise versorgt von ihrer Garage aus den Streetfoodmarket bei der diesjährigen Kunstausstellung documenta fifteen in Kassel. [Kathrin Marie Arlt]

Kontakt: Jana Hennings, 0152-25 49 76 27,
jana.hennings(at)gmx.de

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