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Großes Blech zum Abschied

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St.-Marien-Sommerkonzertreihe schließt mit neuem Besucherrekord und „emBRASSment“ aus Leipzig

Man darf sich Kantor Erik Matz derzeit als sehr zufriedenen und glücklichen Menschen vorstellen. „Ich blicke wieder sehr erfreut in sehr gut gefüllte Reihen“, sagte er zur Begrüßung und bedankte sich bei allen, die diese Konzertreihe in St. Marien mitgestalteten. Ehrenamtlich. Und: Nach mehr als 25 Jahren Sommerkonzerte gibt es einen neuen Besucherrekord; in die neun Veranstaltungen kamen rund 2000 Besucher. Vielleicht sind es zehn weniger oder aber auch zehn mehr. Auf jeden Fall waren die Reihen des Mittelschiffes immer gut gefüllt. „Und was noch schöner ist“, resümiert Matz obendrein, „sind die vielen gut gelaunten Menschen nach den Konzerten. Einige sind fast jede Woche da gewesen. Ich wurde auch von Leuten angesprochen, die aus unterschiedlichen Richtungen gehört haben, dass die Sommerkonzerte in St. Marien mit dem anschließenden Weinausschank so schön sein sollen.“ Das ist eine gute wie erfreuliche Nachricht!

DA fand ein Musikfest statt in den letzten neun Wochen in Uelzens Hauptkirche. Und „La Fiesta Musica“ nannten die Mannen von „emBRASSment“ aus Leipzig, die das Abschlusskonzert gestalten durften, ihr Programm. Emanuel Mütze, Christian Scholz (Trompeten), Luis Oliviera (Horn), Lars Proxa (Posaune) und Nikolai Kähler (Tuba) sind ein Quintett, das seit dem Jahr 2000 international unterwegs ist. Das kammermusikalisch musiziert und den solistischen Herausforderungen Raum gibt. Das Programme kreiert, die in sich schlüssig sind und Spaß machen. So auch dieses Mal.

Leichtfüßig und unterhaltsam eröffneten sie das eigentlich südamerikanische Programm mit Georges Bizets „Carmen Fantasia“ und „Habañera“. Die Ausrede, warum eine spanische Zigeunerin, der von einem französischen Komponisten das Denkmal gesetzt wurde, in ein südamerikanisches Programm gehörte, sei ihre Arbeit als „Zigarrendreherin“. Und kein Südamerika ohne diesen Tabak. Wobei nicht sicher ist, ob Carmen das war, ein Opernführer lässt sie sich nur unter die Fabrikarbeiterinnen (!) mischen; ich hatte eher im Gedächtnis, dass die Frauen Zigaretten herstellen. Egal, die Musik ist unsterblich. Die Leipziger Gäste agierten ohne den geringsten Makel und blieben nichts von der leuchtenden Überzeugungskraft dieser Noten schuldig. Das Quintett ist eine ausbalancierte Einheit, der es nicht um knallige Effekte geht, sondern um dynamische Differenzierung und genaue Artikulation.

Dann ging es los mit der südamerikanischen Reise, auf der Nikolai Kähler der charmante wie kundige Moderator war. Er erzählte prägnant und angemessen kurz über die Komponisten und die Musikstücke, ohne dass er das Konzert zerredete. Die mehr als 200 Zuhörer:innen der Konzertstunde wissen also jetzt etwas über Louis Gottschalk (1829-1869), geboren in New Orleans, Musikstudent in Europa, Bekanntschaft mit Georges Bizet, oder Enrique Crespo (1941-2020), geboren in Montevideo, Studium in Deutschland, oder José Carli (*1934), der drei Tangos beisteuerte. Dass Gottschalk Bizet kannte, vermutet man bei seiner Habañera, die noch einmal Carmen imaginiert.

Die Leipziger boten einen sinnlich-frischen Klang voller konsequenter Energie. Zu rühmen ist das Quintett, das – natürlich – mit Bläservirtuosität, einer gewissen Hemmungslosigkeit und Lust am Effekt den Auftrittsglanz dieser Musik entfaltete. – Es gibt ja jenseits der „Eventkultur“ einen Spieleraum für das Besondere – „emBRASSment“ IST das Besondere. Und weil Goethe sagte, dass die Kunst „eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“ sei, soll hier nicht weiter eine wunderbare Musikstunde, der Abschluss der diesjährigen St.-Marien-Sommerkonzertreihe zerredet werden. Es war unaussprechlich schwungvoll. Und das vor der Zugabe abschließende „El Cumbanchero“ von Rafael Hernández (1892-1965) kannte sowieso jeder.

Barbara Kaiser – 31. August 2026

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