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Glockenrein und meditativ

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Im 5. St.-Marien-Sommerkonzert sang das Ensemble „Voktett“ aus Hannover

Am Ende war wohl jedermanns Puls und Blutdruck ganz und gar beruhigt, denn die Noten, die das Ensemble „Voktett“ ins fünfte St.-Marien-Sommerkonzert mitbrachte, waren die der getragenen Art. Unter der Überschrift „Nocturne“ erklangen Lieder zur Nacht, die wenig Bedrohliches hatten, sondern alles sanft einhüllten. Renaissancepartituren, liturgische Schlichtheit, warme Klangfülle englischer Spätromantik, geistliche Abendgebete, nordisch-folkloristische Klangsprache, deutsche Hochromantik und Noten der Neuzeit. Die acht Sängerinnen und Sänger beherrschten alles. Dazu sangen sie mehrsprachig, sogar Russisch. Glockenrein vom ersten Tone an, auch in den hohen Tönen blieb der Sopran kontrolliert, schrillte an keiner Stelle (was nicht selbstverständlich ist!).

Esther Tschimpke, Felicia Nölke (Sopran), Lea Wolpert, Ida Barleben (Alt), Steffen Kruse, Justus Barleben (Tenor), Sebastian Knappe und Steffen Schulte (Bass) wiegten ihre wieder sehr zahlreich erschienenen Zuhörer:innen unaufgeregt und sanft – nein, nicht in den Schlaf, sondern zwischen Staunen über die Wechselgesänge und dem Flirren und Vibrieren der Klangflächen, die alle die Stimmung vieler Nächte einfingen.

So gab es die Vertonung des Shakespeare-Sonetts Nr. 27 von Pawel Łukaszewski (* 1968), in dem es heißt: „Eil ich, des Treibens müd, zur Lagerstätte,/Labsal den Gliedern, die vom Gehen erschlafft,/ Dann setzt der Kopf das Wandern fort im Bette:/ Ist auch der Leib erschöpft, die Seele schafft.“ Herr Shakespeare wusste also auch um Schlaflosigkeit, der Grund bei ihm war allerdings eine Frau. Die Noten dazu sind ein wunderbares Largo. Ganz anders komponierte Henry Leslie (1822-1896) zu des englischen Meisters „Kaufmann von Venedig“. Wie süß das Mondlicht schläft, heißt es da – es handelt sich wohl um bittere Süße, denn der „Kaufmann“ ist ja keine Komödie zum Schenkel klopfen.

Die Gäste besaßen eine Leichtigkeit des Tons und eine sichere Führung der Stimmen, die entzückten. Die Töne leuchteten in den leisen Passagen, von denen es sehr viele gab. Stimmlich standfest und sinnlich waren die Zuhörer:innen umflossen von der Musik, die von vorn frontal kam, aber auch aus dem Mittel- oder Seitengang. Die Homogenität des Gesangs, wurde nur durch den Augenkontakt gesteuert, da musste keiner den Dirigenten mimen. Das Ensemble „Voktett“ war die vokale Verführung selbst. Stimmstark und ausdrucksvoll. Ob bei Sibelius, Reger, Bruckner oder Rachmaninoff – die Nacht von ihrer schönsten Seite.

Man ging nach diesen 60 Minuten voller innerer Ruhe nach Hause. Die Aufreger dieser Welt würden einen schon früh genug wieder einholen. – Am kommenden Samstag, 08. August 2026, sitzt Kantor Erik Matz beim sechsten St.-Marien-Sommerkonzert an der Orgel und widmet sich der Passacaglia. Dieser klassischen Musikform des langsamen Tanzes aus dem Barock. Ursprünglich ein spanischer Straßen- und Volkstanz, entwickelte sich die Passacaglia im 17. Jahrhundert in Italien zu einer kunstvollen Instrumentalform. Ein prägnantes Motiv bildet das Fundament, worüber der Komponist zahlreiche kunstvolle Variationen entfaltet. Und, man ahnt es, die schönste, eindrucksvollste Passacaglia stammt natürlich von Johann Sebastian Bach. Erik Matz wird sie zu Gehör bringen! 16.45 Uhr, St. Marien.

Barbara Kaiser – 02. August 2026

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