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Feuilleton

In agiler Ausstrahlung

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Mozartquartett bei der Sommerakademie in Uelzen

Fotos: Barbara Kaiser

Akademiekonzert Nr. I mit Ravel und Debussy, Liszt und Paganini und – Mozart

Die Frage, welches mein persönlicher Stern dieses ersten Akademiekonzerts gewesen sein könnte, beantwortet sich leicht: Es war die zwölfjährige Luise Bold, die mit der Rigoletto-Paraphrase von Franz Liszt wohl alle in ihren Bann schlug. Das Mädchen aus Rheinland-Pfalz gewann in diesem Jahr den ersten Preis bei „Jugend musiziert“ in der Sparte Klavier solo ihrer Altersklasse und sie musizierte wirklich unglaublich. Blitzend, mitreißend und mit unbeirrbarer Sicherheit interpretierte sie die Noten, die Verdis Quartett „Holdes Mädchen, sieh mein Leiden“ umspielen. Die Szene, in der der treulose Herzog schon die Nächste an- und Gilda hinter der Tür damit entsetzlich unglücklich macht. Franz Liszt setzte daraus solch ein Renommierstück, wie wir es von ihm kennen. Luise Bold renommierte nicht. Sie war hochkonzentriert im Spiel und sehr bescheiden, als sie den Applaus entgegennahm. Bravo! Nebenbei: Auf der Premierenfeier des „Rigoletto“ hat man Victor Hugo, der die literarische Vorlage mit seinem Stück „Der König amüsiert sich“ für die Oper lieferte, angesprochen, dass der Erfolg der Oper den seines Melodrams weit übersteigen werde. Der ärgerte sich nur mäßig und antwortete: Wenn ich in meinem Stück ebenfalls vier Leute hätte gleichzeitig reden lassen können, wäre es auch erfolgreicher gewesen. Er bezog sich damit auf eben jenes Quartett, ein Brillant der Opernliteratur.

Annika Treutler und Hinrich Alpers bei der Sommerakademie in Uelzen

Annika Treutler und Hinrich Alpers vierhändig am Klavier

Das erste Akademiekonzert blieb sich treu, betrachtet man das Format aus den Jahren davor. Es brachte Solostücke und Kammermusik. Dabei mischen sich als Akteure die Studierenden mit den Dozenten. Der Auftakt fiel Monan Jülch (Deutschland/22) zu. Er hatte sich drei Stücke aus Ravels „Miroirs“ aufs Pult gelegt; Noctuelles – Nachtfalter, Une Barque sur i’Ocean – Das Schiff auf dem Meer und La Vallée des Cloches – Tal der Glocken. Mehr Impressionismus geht nicht. Der Pianist begann griffig und eingängig, verstand sich jedoch auch auf unwiderstehliche Sinnlichkeit. Er lässt offen, ob der aufgeregte Nachtfalter, der zu nah ans Licht geriet, verbrennen wird oder nicht. Für den wiegenden Ozean fand er die richtigen vielfältigen und raffinierten Farbnuancen. Die Glocken läuteten Abschied.

Luise Bold bei der Sommerakademie in Uelzen

Luise Bold spielte ihren Liszt anbetungswürdig

Weil es schöne Tradition ist, dass sich auch die Dozentinnen und Dozenten an die Instrumente setzen, fanden sich Annika Treutler und Hinrich Alpers am Flügel. Mit Debussy und dessen „Petite Suite“ zu vier Händen gaben sie eine schöne Vorstellung. Darin spielt übrigens Wasser schon wieder eine Rolle: Es geht an Bord, es ist eine wohl laute, fröhliche Gesellschaft, die zuerst Menuett und dann, als es ausschweifender wird, Walzer tanzt. Treutler und Alpers lieferten ein geistreiches musikalisches Florettfechten, bei dem sie sich erfrischend sekundierten.

Nach der Pause machte Jona Rakoczy (Deutschland/19) die Zuhörer:innen staunen mit Niccolo Paganinis Variationen über „Nel cor più non mi sento“, dieser Arie der schönen Müllerin aus einer Paisiello-Oper. Aus dem einstigen Ohrwurm erschuf Paganini ein Feuerwerk der technischen Effekte. Rakoczy stellte sich nie kraftmeierisch heraus, auch wenn es genügend Gelegenheiten dafür gegeben hätte. Trotzdem fragte man sich als Zuhörer, wie er das wohl macht, woher die Töne in dem Moment gerade kamen. Bezwingend auch im Leisen, mit Gefühl, verschwenderisch glitzernd. Bewunderswert.

Zum Abschluss erklang Mozarts Klavierquartett g-moll KV 478 aus dem Jahr 1775. Die Violinen strichen Sofia Zeltser (Russland/22) und Erika Ito (Japan/23), am Flügel saß der erst zwölfjährige Anso Lee aus China. Kammermusikalische Unterstützung erhielten sie durch Burçu Ülkü (Viola) und Zoé Cartier (Violoncello). Der Komponist hat im Entstehungsjahr Schwerstarbeit geleistet. Er komponierte sechs Streichquartette, „Figaros Hochzeit“ war in den Anfängen, das Es-Dur-Klavierkonzert hatte er außerdem im Kopf. Sein Verleger Hoffmeister verlangte drei Klavierquartette, „kurz, leicht, populär“, damit es „die großbürgerlichen und adligen Dilettanten eifrig kaufen und in ihren Salons zum Besten geben“. Weil Mozarts Arbeit für den Hausgebrauch viel zu anspruchsvoll war, befürchtete der aber Einbußen, so blieben es nur zwei Quartette, wobei er eins noch großmütig der Konkurrenz schenkte, Mozart aber wenigstens entlohnte. Das kann uns heute egal sein. Wir erfreuen uns an dem kraftvollen Klavierpart, an der Harmonie des zweiten Satzes und den fröhlichen Sechzehnteln. Es war insgesamt durchaus Mozartzauber, vielleicht ein bisschen zu brav? Am Ende wurde jedoch mit Temperament musiziert, genauso wie mit schlichter Empfindsamkeit, wie es die erfindungsreiche Partitur fordert.

Jona Rakoczy bei der Sommerakademie in Uelzen

Jona Rakoczy war ein würdiger Paganini

Summe: Es war ein schöner Auftakt dieser Reihe von insgesamt fünf Konzerten. Am Dienstag, 4. August, geht es weiter. Unter anderem mit Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur und Johannes Brahms’ Violinsonate G-Dur op. 78.

Barbara Kaiser – 03. August 2026

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