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Feuilleton

Stadt am Wasser?

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Fundstücke aus Brunnen und Latrinen. Wem gehörte der verlorene Schlüssel? Fotos: Barbara Kaiser

Ausstellungseröffnung im Museum zu Uelzen und die Ilmenau

Eigentlich ist es schade, dass die Vision des Vereins „Ilmenaustadt Uelzen“, den es zwischen 2013 und 2019 gab und der das Flüsschen in die Innenstadt holen wollte in Form einer Lagune auf dem Herzogenplatz, gescheitert ist. Am Geld, an der Ignoranz? Dieser Plan hätte das Wasser, von dem jetzt die Ausstellung im Museum Uelzen erzählt, näher an die Bürger geholt, ins Zentrum ihres Lebens. So aber fragt man sich angesichts des Titels der neuen Schau – „Stadt am Wasser“ – wie bitte? Und hält das für sehr hochgestapelt.

Tilman Grottian zeichnet verantwortlich für die Ausstellung

Die Ausstellung könne nur Blicke werfen auf größere Themen, sagte Kurator Tilman Grottian in seinen Eröffnungsworten. Aber hier kämen Themen zusammen, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Es stimmt, die Schau, die bis zum 04. April 2027 im Haus an der Bahnhofstraße zu sehen sein wird, verbindet das Brauereiwesen mit den ehemals vier Mühlen in der Stadt, das Handwerk und die Fischerei mit der Zuckerproduktion, die Wasserversorgung durch die Jahrhunderte mit dem Problem Abwasser und Grundwasser. Und nicht zuletzt erzählt sie etwas über Freizeitmöglichkeiten im und am Wasser.

Als sich im Jahr 1260 drei Dutzend Kaufleute und Handwerker mit ihren Familien aufmachten und die Klostersiedlung Ulessen aus steuerlichen Gründen verließen, um auf einer Geestinsel am Westufer der Ilmenau neu zu siedeln, hatten sie gute Voraussetzungen gewählt zwischen Auen, Wiesen und zur Verfügung stehendem, lebensnotwendigem Nass. Obgleich die Nähe zum Fluss immer auch zwei Seiten hat… Die sehr informative Ausstellung, die vielleicht ein wenig kopflastig ist, weil man recht viel lesen muss, erzählt 800 Jahre Geschichte anschaulich. Von der Nahrungsquelle Fluss, über die Verteidigungsfunktion mit Hilfe von Stadtgräben bis zur Wasserversorgung der Einwohner. Sie spricht über die Zeit, als das Abwasser zum Problem wurde und zeigt Funde aus Latrinen und Brunnen. Ob der Besitzer des kleinen Schlüssels, der jetzt in der gläsernen Vitrine im Museum liegt, ihn lange gesucht hat? Und welches Schloss hatte er verschlossen?

Ein Eichenstubben aus dem Jahr 1644, geborgen 1988

Vier Mühlen gab es in Uelzen und mehrere Brauereien. Keiner kam ohne Wasser aus. Und dass Schmutzwasser samt dem Inhalt der Abtritte rausmusste aus der Stadt, war jedem spätestens nach der großen Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg klar, wo von den 16000 Infizierten die Hälfte starb. Uwe Hinzmann, Interimsgeschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Uelzen, bescheinigte in seinen launigen, informativen Grußworten zur Ausstellung den Stadtvätern hier „unternehmerischen Mut“. Sie begannen nämlich im Jahr 1912 bereits mit der Planung einer Kläranlage. Denn man hatte bereits 1879 festgestellt, dass die Qualität des Wassers aus den vielen Brunnen in der Nähe von Ställen schlechter war.

Die Besucher:innen der Ausstellung werden viele Schlüsse ziehen können zur Gegenwart, nicht nur, was die Verunreinigung des Grundwassers angeht. Vielleicht wird auch klar, dass nicht immerwährend Überschwemmungsgebiete bebaut werden können? Hatte doch ein Bürgermeister im Jahr 1735 Uelzen in einer „anmutigen Gegend liegend“ gerühmt und „die Pracht der angenehmen Wiesen“ hervorgehoben!

Der Fluss als Nahrungslieferant, dieser Hecht war ein beachtlicher Bursche

Was geblieben ist durch die Jahrhunderte, das resümierte Tilman Grottian am Ende, „ist unsere Abhängigkeit vom Wasser“.  Aber er vergaß nicht zu fragen: Ist „unser Zugang dazu nicht viel zu selbstverständlich geworden?“ Dies bleibt der Grundgedanke nach einem Besuch in dieser Ausstellung. Und die optische Imagination von Uelzens Innenstadt mit Lagune, von dieser kühnen Idee einiger Weniger gibt es auch!

Barbara Kaiser – 19. Oktober 2026