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Feuilleton

In hoher Vollendung

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Sommerakademie Uelzen

Fotos: Barbara Kaiser

Im zweiten Akademiekonzert gab’s Romantik: Brahms, Liszt, Schumann und Skrjabin

Es sei voller und wärmer als beim ersten Konzert freute sich Hinrich Alpers in seinen Begrüßungsworten, es war allerdings die Härte. Für Zuschauer:innen, vor allem aber die jungen Musikerinnen und Musiker. In der Pause sagt eine Dame, sie habe noch nie gesehen, wie ein Schweißtropfen an der Geige heruntertropft – diesmal schon. Der gehörte Professor Stefan Hempel, dem mit seinem „geschätzten Kollegen“, Professor Hinrich Alpers, der Auftakt zufiel. Mit Johannes Brahms’ Violinsonate G-Dur op. 78. Warum das Werk aus dem Jahr 1878/79 auch „Regensonate“ genannt wird, erschloss sich zwar nicht; das lag aber nicht am Spiel der Beiden. Die lieferten in drei Sätzen zwischen dem Vivace, dem Adagio und einem Allegro zum Schwelgen einen bestechend homogenen Zusammenklang, ein subtiles Miteinander in hoher Vollendung und mit inniger Melancholie.

Leatitia Hahn bei der Sommerakademie in Uelzen

Laetitia Hahn wusste mit Franz Liszts Ballade Nr. 2 zu beeindrucken

Danach saß Laetitia Hahn (Deutschland/22) am Flügel. Sie hatte Franz Liszts Ballade Nr. 2 studiert. Ihrer Interpretation fehlte es nicht an Entschiedenheit, Energie und Souveränität gegenüber der Partitur. Sie nahm sich Zeit für das Ausspinnen melodischer Linien und das Verweilen in raffinierten harmonischen Verläufen. Es war eben ein Liszt – mit dem beeindruckt man immer sein Publikum. Die junge Frau passte dazu. Man war versucht, sie sich in der Schar der jungen Elevinnen vorzustellen, die dem Komponisten bis ins hohe Alter – ihn bewundernd – in Weimar zu Füßen lagen! Die Ballade Nr. 2 schrieb Liszt im Jahr 1853, das Genre eignet sich ja fürs Dramatische. Das hat die Interpretin gut erkannt.

Yu-Hsien Chen bei der Sommerakademie in Uelzen

Yu-Hsien Chen war der Kontrapunkt des Abends mit Alexander Skrjabin

Yu-Hsien Chen (China/28) spielte nach der Pause Alexander Skrjabin und dessen Etüde op 42.5, eine von acht Stücken aus dem Jahr 1905. Die ist eine künstlerische Herausforderung, aber der Pianist schlug aus seiner spieltechnischen Leistung auch den gewissen Funken, der übersprang und in diesem Romantikabend ein schöner Kontrapunkt war.

Zum Schluss erklang das Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Robert Schumann aus dem Jahr 1842. Gewidmet war es zunächst Maria Pawlowna, der Zarentochter, die 1804 ins kleine Herzogtum Sachsen-Weimar geheiratet worden war und dort mit dem mitgebrachten, im Schloss präsentierten Zarenprunk alle verzückte. Später widmete Robert Schumann das Werk seiner Frau Clara, vielleicht hatte Maria Pawlowna kein Faible fürs Quintett. – Es ist ein viersätziges Werk voller Frische, für das Noa Moyal (Israel/22), Beatrix Azcona (Spanien/23) und Muxiang Zhang (China/26) sich den Geigenpart teilten. Am Klavier agierten Monan Jülch (Deutschland/22), der im ersten Konzert mit Ravel einen sehr guten Eindruck hinterließ, und Huiming Zhang (China/26). Unterstützt wurden die Studentinnen und Studenten durch Burçu Ülkü (Viola) und Zoé Cartier (Violoncello), die Kammermusikpädagogen.

Professor Alpers und Professor Hempel bei der Sommerakademie in Uelzen

Die Professoren Alpers und Hempel überzeugten mit Johannes Brahms’ Violinsonate

Das Ensemble ging großartig unerschrocken ans Werk, ebenso kraftvoll wie zärtlich lyrisch. Das Allegro brillante verdiente seinen Namen zu 100 Prozent. Der Trauermarsch von Satz 2 ist genauso wunderbar traurig wie die in Beethovens 3. oder 7. Sinfonie. Man konnte sich dem insistierenden Motiv nicht entziehen. Die Zuhörer:innen geriet auch im Scherzo und Finale in einen strömenden Klang, mit straffen Tempi und fröhlichem Gestus. An keiner Stelle zerbröselten die Minuten der Sätze zur bloßen Reihung von Momenten. Nichts war domestiziert oder poliert – reine Spielfreude, präzises Miteinander. Dafür gab es den jubelnden Beifall völlig zu Recht.

Barbara Kaiser – 05. August 2026

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