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Freizeit

Eine bunte Sicht aufs Leben

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Fotos: Barbara Kaiser

Kunstverein-Saisoneröffnung: Leistungskurs Kunst des Lessing-Gymnasiums stellt aus/Vernissage Donnerstag, 26. Februar 2026, 17 Uhr

Der Kunstleistungskurs des aktuellen Abiturjahrgangs des Lesssing-Gymnaisums Uelzen

Das ist der Leistungskurs Kunst des Lessing-Gymnasiums unter der Leiterin Simona Staehr (hinten 3. von links): Sophie, Greta, Jonna, Fiona, Pauline, Hannah, Tessa, Nike, Emely S., Emely F., Melina, Charlize, Johari, Linda, Laura und Fatima. Foto: Anne Silbereisen.

Es ist eine faszinierende Ausstellung geworden, die Schau des Leistungskurses Kunst des Lessing-Gymnasiums. Die Abiturstufe zeigt von Donnerstag bis Sonntag (26. Bis 28. Februar) ihre Arbeiten aus drei Semestern. 16 Schülerinnen präsentieren sich und ihre Sicht auf die Welt zu den Themen, die in eineinhalb Jahren bearbeitet wurden. Als da wären: „Landschaften“, die Beziehungen „Mensch – Mensch und Mensch – Tier“ und „Bewegung“. Letzteres am Beispiel von Peter Paul Rubens`„Der Tod des Decius Mus“. Dieses Konsuls aus dem Jahr 340 v. Chr., der durch seinen Opfertod für Rom in der Schlacht am Vesuv besonders traurige Berühmtheit erlangte. Man hätte auch, einem näher liegenden Jubiläum huldigend, das Werner-Tübke-Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen nehmen können – aber es ging ja um „Bewegung“. Herausgekommen sind zu allen drei Themenkomplexen erstaunlich reife, handwerklich sehr solide Ergebnisse. Farbiger Abglanz von Leben, gediegen komponiert in durchdachter Buntheit oder in schwarz-weiß, von denen einige den Betrachter konfrontieren mit Ängsten, Zweifeln und Bedenken.

Ich habe mit Sophie und Greta gesprochen, die stellvertretend für ihre Mitschülerinnen Auskunft gaben. Wie sie zu Beginn des Kurses schon mal die Panik erfasste und sie „Schaff ich das“ dachten. Wie sie irritiert waren durch geforderte Selbstkritik der gemalten Bilder und manchmal vielleicht auch angefressen von den umfangreichen Hausaufgaben. Die beiden jungen Frauen, die neben Kunst Deutsch und Geografie (Sophie) und Mathematik und Englisch (Greta) als Leistungskurse belegen, stimmen überein in der Aussage, dass Kunst der „zeitintensivste Kurs“ war. Aber: „Es war ein gutes Miteinander“, sagt Greta. Was bei 16 Mädchen keineswegs selbstverständlich ist. Sie hätten sich auch als Kollektiv, als Gruppe entwickelt und sich sehr unterstützt und weitergeholfen. Sie blicke jetzt anders auf Bilder, sagen Greta und Sophie, „weil wir auch ganz viel Theorie gemacht haben“. Kunstgeschichte also.

Es entstanden Aquarelle, Bilder in Kreide und Acryl, Skulpturen aus Ton, Schaumstoff, Holz, Stein oder Pappe. Es gibt Abstraktes und Gegenständliches, Naturalistisches und dem Impressionismus Verwandtes. So versuchte jeder bei den „Landschaften“, dem übel beleumundeten Ölschinken aus dem Wege zu gehen; die Ergebnisse rühren wahrhaftig an. Manche sind sehr professionell und nahezu perfekt. Da gibt es beispielsweise eins, auf dem der Vollmond über einem Bergsee aufgeht – ein gefährliches Motiv! Mir fiel dazu jedoch die stille Hommage Goethes an den Mond ein: „Füllest wieder Busch und Tal/ Still mit Nebelglanz,/ Lösest endlich auch einmal/ Meine Seele ganz;/ Breitest über mein Gefild/ Lindernd deinen Blick,/ Wie des Freundes Auge mild/ Über mein Geschick.“

Und derlei Arbeiten gibt es viele, die eine Geschichte erzählen, eine Situation erklären wollen, einen Gemütszustand fixieren. Neben den Landschaften stellen sich hübsche Tierporträts vors Auge des Besuchers, aus denen die Liebe zum Mitgeschöpf spricht, das aber auch Freund und Kumpel ist. Und es gibt Fähigkeiten zu erkennen, die bei den Abstraktionen die genau richtigen Minimierungen setzen. Beispielsweise in den Auszügen aus dem Rubensbild; man sah kaum ein abstrakteres Pferd, das so ästhetisch wirkte!

Es sei eine „vielfältige Ausbeute“, sagte Sophie dazu; und „jeder hat seine Technik des Ausdrucks und seine Art gefunden.“ Greta ist sich sicher, sie kann „erkennen, von wem welches Bild ist“. Dazu muss man sich wirklich sehr gut kennengelernt haben in den vergangenen Jahren. – Warum wählen junge Menschen aus der Smartphone-Generation den Leistungskurs Kunst? Als Ausgleich zum Schulalltag, sagt Sophie. Um kreativ zu sein und praktisch zu arbeiten, erwidert Greta. Sie alle hätten Emotionen investiert und sich auch über die manchmal abfälligen Bemerkungen von Mitschülern hinweggesetzt, die sich fragten, was man denn schon machen könne in einem Kunstkurs? Aber offenbares Ergebnis: Man kann handwerkliche Fähigkeiten erwerben und gedankliche Tiefe gewinnen. Man kann plötzlich innehalten und staunen. Und man kann erkennen, dass die Welt aus vielmehr besteht und komplexer ist als ein paar WhatsApp-Nachrichten oder ein TikTok-Video.

Es war übrigens ein sehr angenehmes Gespräch mit den beiden Abiturientinnen Sophie und Greta, zwei selbstbewusste junge Frauen, die nicht leugnen, weiter auf der Suche zu sein. Die vor den Ergebnissen ihrer Arbeiten stehen und sich manchmal auch wundern, dass sie es fertigbringen konnten, was sie vor eineinhalb Jahren wahrscheinlich nicht für möglich gehalten hatten. Ich bin davon überzeugt, dass sie stellvertretend für ihre anderen 14 Mitschülerinnen stehen können.

Gehen Sie hin, liebe Leserinnen und Leser. Stehen sie vor Bildern, Skizzenbüchern und Skulpturen von Schülerinnen, die die Kunst für sich entdeckt haben, sich ihrer Wirkung nicht verschlossen und etwas mitzuteilen haben. Dafür muss man ihnen danken und auch ein weiteres Mal dem Kunstverein Uelzen, der ihnen dafür ein Podium gibt.

Geöffnet ist nach der Vernissage am Donnerstag, 17 Uhr, am Freitag und Samstag, die Schülerinnen bieten Führungen an am Freitag, 16 Uhr und Samstag 12 und 16 Uhr.

Barbara Kaiser – 25. Februar 2026

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