Viele Dankesworte und noch mehr Musik

Dank an Jukyeong Park aus Südkorea für ihren Auftritt

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Fotos: Barbara Kaiser

Abschluss der 17. Internationalen Sommerakademie mit brillanten Solisten

Die Pflicht zuerst: Natürlich ist nach zehn Tagen Meisterkurs allen Beteiligten, den vielen Helfern, den gewogenen Sponsoren, den fleißigen Studenten, Dank zu sagen. Sie machen es möglich, dass das interessierte Publikum Konzerte hören darf, die auf höchstem musikalischem Niveau spielen. Der Vorsitzende des Trägervereins Sommerakademie, Dr. Theodor Elster, kanalisierte seinen Dank am Ende an den Erfinder und Gründer, den künstlerischen Leiter: An Professor Hinrich Alpers. „Nicht viele Künstler geben ihrer Heimat so viel zurück“, sagte er. Ob das so stimmt, ist nicht zu überprüfen. Fakt ist jedoch, dass die Region und ein dankbares Publikum eine Menge hat von diesem Jungen aus Stadensen, den viele haben künstlerisch (auf)wachsen sehen. Und dass sich auch die Kursteilnehmer:innen hier wohlfühlen beweist das Dankeschön durch sie. Und sogar ein Gedicht wurde verfasst auf diese wunderbaren Tage in Oldenstadt!

Die drei Solisten des Beethoven-Klavierkonzerts (von links): Monan Jülch, Huiming Zhang und Felicia Chan

Jetzt die Kür: Eröffnen durfte das zweite Abschlusskonzert Yunong Wang (19/China) mit dem ersten Satz des Violinkonzerts von Wolfgang Amadeus Mozart. Sie tat es sehr beweglich und ausdrucksstark. Danach setzten sich Laetitia Hahn (22/Deutschland), Jukyeong Park (32/Südkorea) und Florian Albrecht (23/Deutschland) für drei Sätze Klavierkonzert A-Dur KV 488 an den Flügel. Das Anfangs-Allegro besaß eine erfrischend leichtfüßige Spielweise und lebensvoll atmende Tempi (Hahn). Das Adagio hatte Momente großer Stille. Wohltuend sachlich, ohne kühl zu sein, von emotionaler Tiefe (Park). Und im abschließenden Allegro assai hielt Florian Albrecht das Orchester straff am Zügel und trieb es an, denn seine Darbietung war eine, die auf vitaler Hochtour lief, jedoch auch Zartes und Feines kannte. Die Tonart A-Dur und Mozart, das ist ja eine Liebesbeziehung und steht für Fülle und Schönheit – die aber auch vergehen müssen. Wofür das Adagio in der abseitigen Tonart fis-moll spricht.

Nach der Pause spielte der Pole Łukasz Byrdy (32) Noten von seinem Landsmann Karol Szymanowski (1882-1937); aus „Masques“ op. 34 die Nr. 1, „Tantris, der Narr“. Tantris ist ja das Anagramm von Tristan, der sich von Isolde gesundpflegen lässt und sich in sie verliebt. Mit den bekannten Folgen. Ist er der Narr, auf ein Happy End zu hoffen? -Szymanowski gilt als polnischer Impressionist, seine oftmals ekstatische Musik bewegt sich auch an der Grenze zur Tonalität. Was sie aber spannend und neu macht (zwischen all dem Mozart!). Die Spielvorschrift für den „Narren“ lautet Vivace assai = sehr lebhaft, sehr lebendig. Byrdy verweigert dem Publikum, worauf es versessen ist: Gewissheiten. Wach und flexibel, präsent und witzig, unterhaltsam und hochmusikalisch lässt er seinen Narren durch die Szene stolpern. Die tragischen Anklänge all der späteren Verwicklungen durch Liebestrank und so weiter gibt es auch. Es war ein großartiges Stück Musikliteratur, ein Zwischenruf.

Łukasz Byrdy aus Polen überzeugte mit den Noten seines Landsmannes Karol Szymanowski

Zum großen Finale erklang das Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 von Ludwig van Beethoven. Hier muss ich persönlich werden! Ich liebe dieses Konzert ungeachtet aller Geschmacksänderungen im Laufe des Lebens seit über 50 Jahren, kenne zahllose Einspielungen. Würde diese Aufführung meinen Erwartungen entsprechen? Um es kurz zu machen: Im Klavierpart, für den Monan Jülch (22/Deutschland), Felicia Chan (19/China) und Huiming Zhang (26/China) am Flügel saßen, auf jeden Fall. Hier wurde im triumphalen Marsch-Allegro des ersten Satzes geschwelgt (Jülch), erklang die leuchtende Melancholie des Adagios, diese Ode in H-Dur (Chan), und gab ein putzmunterer Zhang eine perlende Leichtigkeit zum Besten, entfesselte er einen pianistischen Tornado, raste nicht bloß, sondern gestaltete. Immer auch das Orchester animierend. Das blieb tapfer und verlässlich an der Seite all der Solisten des Abends und machte seine Sache wirklich gut. Aber zehn Menschen Kammerorchester sind eben kein Sinfonieorchester. Leider. – Man schafft dieses Konzert in 42 Minuten, manchmal aber auch in 37. Die Oldenstädter Aufführung war eine dazwischen. Keinesfalls wurde hier etwas zerdehnt in Beethovens komplementären Gegenstück zur Nr. 4 G-Dur. Alle Details werden im ersten Satz mit großem Atem ausgebreitet und immer wieder in neuem Licht dargestellt. Bis in den Schlussakkord.

Cheforganisatorin Birgit Alpers-Meyer hält alle Fäden hinter den Kulissen in der Hand, dafür dankte ihr stellvertretend für die zahlreichen Helfer:innen der Vorsitzende des Trägervereins, Dr. Theodor Elster

Nun ist es also wieder vorbei. Die 17. Internationale Sommerakademie ist Geschichte. Der Theologe Friedrich Schorlemmer hat einmal gesagt, in großer Musik erfahre er die Ewigkeit schon im Diesseits. Eine Nummer kleiner: Nach solch einem Parcours voller wunderbarer Musik lebt es sich danach im Alltag, für eine Weile wenigstens, freundlicher. In diesem Sinne! Die nächste, die 18. Akademie, ist geplant.

Barbara Kaiser – 10. August 2026