Anna Susanne Jahn arbeitet im Kloster Ebstorf und stellt neueste Arbeiten aus: „83 Bäume“/Vernissage Samstag, 02. Mai 2026, 16 Uhr, Propsteihalle
Der Weg der Hamerstorfer Künstlerin, die in Wolfenbüttel geboren wurde, ging über „Wolkenbilder“, die sich dann in das wandelten, worin sie sich immer zu spiegeln hatten: In „Ozeane“. Später kam sichtbares Leben dazu. Die „Zwiegespräche“ bevölkerten Frosch und Libelle, anderes Getier wurde danach in den „Schöninger Schichtungen“ ausgegraben. Immer aber ist sich die Malerin, die die Monotypie, den Einmaldruck, bevorzugt, treu geblieben, denn die Bilder sind alle ein Mikrokosmos aus dem Makrokosmos Landschaft. Den man auffächern kann bis zwischen das Geäst oder die Grashalme; wenn man sich die Mühe macht natürlich nur. Anna Susanne Jahn hat sie sich gemacht und ist oft genug auf Knien gerutscht vor lauter Forscherdrang. Auch aus Demut vor der Natur, die sie unter die Lupe und in ihr künstlerisches Schaffen nimmt.
Jetzt ist Anna Susanne Jahn zurück im Landkreis. Sie durfte sich neun Wochen lang im Kloster Ebstorf einmieten, wo sie arbeitet und Kurse gibt. Zusätzlich präsentiert sie eine Ausstellung mit neuesten Werken. Die haben eine Vorgeschichte, über die man sich nur aufregen kann, sind einem die Natur und die Landschaft wichtig: Eine alte Jugendstilvilla samt Park wurden auf Amrum platt gemacht für die fixe Idee eines quadratisch-praktisch-nicht-gut Würfels, in dem das „Haus des Gastes“ residieren soll. Die mehr als 100 Bäume, viele Jahrzehnte alt, sind weg, es klafft eine eingezäunte Baugrube, an der – nichts passiert. Uelzenern dürfte das beim Stichwort Veerßer Klinik sehr bekannt vorkommen. Auf Amrum gab es ein Bürgerbegehren dagegen, genützt hat es nichts. Auf einer Insel (und nicht nur dort) alte Bäume zu fällen, wo sie sowieso langsamer wachsen, darf man Umweltverbrechen nennen, und dass es passieren durfte, ist einfach unbegreiflich in diesen Zeiten.
„Das sind formale Spielchen, die ich genieße“, sagt Anna Susanne Jahn. Sie freue sich zudem über „die Erfindungen und Finessen der Natur“, und: sie feiert deren Schönheit. Das Raumgreifende der Bäume lebt auf dem weißen Papier, das nicht im üblichen Sinne eine Begrenzung hat, in einem einzigen Blatt. Das macht sie übermächtig und gewaltig. Auch im Kleinen. Die Künstlerin begibt sich achtsam in diese Schöpfung, und sie leidet, wenn der Mensch sie knechtet…
Am Samstag, 02. Mai 2026, um 16 Uhr, ist in der Propsteihalle Vernissage. Es spricht Professor Wilfried Köpke aus Hannover. Alle Workshops finden sich auf der Homepage des Klosters und der der Künstlerin: www.kloster-ebstorf.de oder www.annasusannejahn.de Einen zusätzlichen Aquarellkurs gibt es am 30. Mai 2026, 9.30 bis 13 Uhr.
Barbara Kaiser – 30. April 2026