Fotos: Barbara Kaiser
Im 3. Akademie-Konzert der Sommerakademie erklangen Noten von Beethoven und Brahms, Janáček und Dvořak
Haruka Higashitsuji am Flügel mit Brahms
Es ist in den Tagen der Internationalen Sommerakademie ja nicht so, dass die Dozenten ihren Unterricht geben und sich in den Konzerten entspannt zurücklehnen. Nein! Die Damen und Herren Professoren präsentieren sich sehr wohl. Das dritte Akademiekonzert hatte vier Programmpunkte, die allesamt Glanzlichter waren. Am hellsten allerdings leuchtete die „Kreutzersonate“ von Ludwig van Beethoven, gespielt von Hinrich Alpers und Ulf Schneider. – Zeitgenossen nannten die 40 Minuten „artistischer Terrorismus“. Gewidmet war das Stück zunächst dem Geiger George Bridgetower, nach einem Streit mit ihm widmete Beethoven die Partitur um. Wir wissen, dass er da sehr konsequent sein konnte. Rodolphe Kreutzer bekam nun die Ehre, dass sein Name auf immer mit den Noten verbunden sein würde. Dabei hat der sie wahrscheinlich nie gespielt, weil er sie für unspielbar hielt und sie obendrein unverständlich fand. Undankbar!
Die Professoren Hinrich Alpers und Ulf Schneider mit dem Glanzpunkt des Abends, Beethovens Kreutzersonate
Man denkt zudem bei „Kreutzersonate“ auch an Lew Tolstoi und seine bös-bittere Abrechnung mit der Gesellschaft und der Stellung der Frau darin. Dass der Erzähler aus eigener Erfahrung spricht, weil er seine Frau an einen Geiger verliert, dient der Dramatik. Bei Tolstoi steht Folgendes geschrieben: „Überhaupt ein entsetzliches Ding die Musik!… Darf es denn gestattet sein, dass jeder beliebige Mensch einen anderen oder viele hypnotisiert, um dann mit ihm zu machen, was er will?“ Beethoven und viele andere seiner Zunft konnten das, und wir lassen uns doch gerne hypnotisieren.
Alpers und Schneider spielten genau artikuliert, gestisch prall, temperamentvoll und vital. Ihr Zusammenspiel glich einem Wunder; auf den Punkt, hochkonzentriert und lustvoll. Im Publikum konnte man nur fasziniert lauschen, wie da die vielen klanglichen Feinheiten ausgekostet wurden. Für diesen Auftritt gab es Bravorufe. 4o Minuten Verführung, eine Dreiviertelstunde Hochleistungssport. Der Wahnsinn. Nein, Beethoven.
Vor dem Auftritt: Vier Geigen und Janáček
Den Abend beginnen durfte Haruka Higashitsuji (30/Japan) mit zwei Intermezzi von Johannes Brahms op. 118, 1+2. Die junge Frau agierte mit viel Feinsinn und Flair. – Dann eine fernere Klangwelt: Weil ein Streichquartett nicht unbedingt aus zwei Geigen, einer Bratsche und einem Cello bestehen muss, schrieb Leoš Janáček „Znelka“ für vier Geigen Nr. 1 in A. Znelka bedeutet Sonett, diese schwierigste, strengste lyrische Form, oder Erkennungsmelodie. Die Violinen strichen Muxiang Zhang (26/China), Yunong Wang (19/China), Jona Rakoczy (18/Deutschland) und Dozent Stefan Hempel. Das Quartett interpretierte die farblich reizvollen Noten mit verhaltener Gestik. Es entstand ein kunstvoll feines Schweben, eindringlich umgesetzt. Ein bisschen sphärisch fast und an asiatische Klänge erinnernd.
Schlussapplaus für das Dvořak-Quintett
Zum Abschluss gesellte sich ein Landsmann zu Janáček: Antonin Dvořak. Sein Klavierquintett A-Dur op. 81 stammt aus dem Jahr 1887/88, nachdem der Komponist sein op. 5, ebenfalls in A-Dur, angeblich verbummelte, schrieb es kurzerhand neu. Entstanden ist ein meisterhaft durchgeformtes Stück Musikliteratur. An den Violinen wechselten Zilin Xu (19/China), Yunong Wang (19/China) und Tara Iman Bongardt (19/Deutschland). Am Klavier saßen Huiming Zhang (26/China), Ziyie Yang (22/China) und Paris Chen (22/Taiwan). Studiert und unterstützt wurden sie wieder von den Kammermusikdozenten Burçu Ülkü und Zoé Cartier.
Es war ein feines Miteinander, bei der Ungestümes nie auf Kosten der Klarheit ging. Wandlungsfähig, in graziöser Leichtigkeit hier, mit robustem Zugriff da. Der langsame Satz – eine Dumka mit ihrem Prinzip des Wechsels von langsam und schnell. Der dritte Satz ein Scherzo Furiant – dieser wirbelnde Volkstanz in fröhlicher Stimmung. Das abschließende Allegro mit einer schwungvollen Polka in kunstvoller Fugato-Durchführung. Langanhaltenden Beifall gab es für alle Akteure.
Jetzt stehen noch die beiden Abschlusskonzerte auf dem Programm. Das Kammerorchester aus Wrocław ist wohlbehalten angekommen und es wird geprobt. Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 und zwei Mozart-Konzerte.
Barbara Kaiser – 06. August 2026