Nicht nur auf Effekt gesetzt

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Fotos: Barbara Kaiser

Im 3. St.-Marien-Sommerkonzert muszierten Annika Köllner-Will und Jana Barenschee

Schwebende Flötentöne und fröhliche Leierkasten-Orgelklänge – das war das dritte St.-Marien-Sommerkonzert. Am Flügel und an beiden Orgeln saß Annika Köllner-Will, die Flöte blies Jana Barenschee. Unter dem Titel „Orgel plus“ stand Musik von César Franck, Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven und Salvatore Sciarrino (*1985) auf dem Programm, was eine insgesamt hörenswerte Musikstunde versprach.

Den Auftakt machte César Francks Prélude, Fugue et Variation, op. 18. Annika Köllner setzte sich dafür an den Flügel, was insgesamt keine so gute Idee zu sein schien. Oder es lag daran, dass ich direkt vor dem aufgeklappten Deckel saß. Aber die Kantorin aus Ebstorf hatte auch einen harten Anschlag. Dafür war die Flöte samtweich. Ohne Tempoangabe durch den Komponisten irrte das Klavier ein wenig durch die Fuge, alles war ein  bisschen zu gemächlich. Der leicht schwebenden Flöte zu folgen, schien dem Klavier zu mühsam, zu mühselig.

Als sich Annika Köllner-Will für zwei Stücke aus Beethovens „5 Stücke für die Flötenuhr“ dann jedoch an die große Orgel begab, war die Schwerfälligkeit des Beginns vergessen. Das Allegro und das Allegretto gestaltet sie zu einer aufgeräumten Angelegenheit, nicht ohne Witz und mit Charme vorgetragen. Beethoven komponierte die Stücke ja im Jahr 1799 für das Kunstkabinett des Grafen Deym. Besser hätten sie auch „Orgelwerk für eine Uhr“ geheißen, denn die Orgel imitiert auf zauberhafte Weise den Klang der Musikwalzen, die damals für Unterhaltung sorgten.

Jana Barenschee hatte zuvor die Partita a-moll (BWV 1013) für Flöte solo interpretiert. Die flotte Allemande und die Corrente schrillen bei ihr an keiner Stelle, die Ansätze sind rein und weich in der getragenen Sarabande und in der hüpfenden Bourrée adelt sie auch hier den Vortrag mit fehlerfreiem Handwerk. – Dann brachte die Flötistin den Mut für Zeitgenössisches auf; sie bewies ihn mit Salvatore Sciarrino und dessen „Canzone di ringraziamento“. Es soll ein „Gesang des Dankes“ sein, aber eigentlich fällt einem beim Zuhören eher Annette Droste-Hülshoffs „Knabe im Moor“ ein: „Oh, schaurig ist`s, übers Moor zu gehen“. Der Wechsel zwischen einem irrlichternden Ostinato und sehr hohen Tönen imaginieren eine Stimmung, sind eher Klangfläche als Melodie. Interessant war diese Aufführung aber allemal!

Zum Schluss erklang Johann Sebastian Bachs Suite c-moll (BWV 997) für Flöte und Orgel. Dafür nutzte das Duo die kleine Orgel im Hohe Chor. Die vier Sätze waren ein schönes Zusammenspiel und würdiger Abschluss dieses eher leisen Konzerts. Hier fusionierten Temperament und Energie der beiden Interpretinnen bestens zu Zweisamkeit, schufen sie einen unmittelbaren Zauber. Dabei setzten sie erfreulicherweise nie nur auf Effekt, sondern auf subtile, sorgfältige Ausgestaltung. Dafür bekamen die Gäste beredten Applaus von den rund 130 Zuhörer:innen.

Am Samstag, 25. Juli 2026, wird es im vierten Sommerkonzert lauter: Zu Gast sind die zehn Blechbläser:innen vom Ensemble „Brassonanz“. 16.45 Uhr. St. Marien.

Barbara Kaiser – 20. Juli 2026