Der neue Theaterdirektor

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Fotos: Barbara Kaiser

Vorstand beim „Verein zur Förderung der Kunst“ neu aufgestellt

Auf die Frage, ob die Chemie im komplett neuen Vorstand stimme, kommt die Antwort schnell und sehr überzeugend: „Ich denke schon“, sagt Werner Hibbeler, der Neue an der Spitze beim „Verein zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher“. Er ist damit einer der Nachfolger von Reinhard Schamuhn, einer, der mit seinem Kollektiv das kleine schiefe Häuslein an der alten Stadtmauer als Theater am Leben erhalten wird. Womit wohl die wenigstens im Jahr 2013, als Reinhard Schamuhn sehr plötzlich und unerwartet im Alter von nur 73 Jahren starb, gerechnet hatten. Johannes Vogt-Krause hatte bis jetzt den Hut aufgehabt und diese Aufgabe bewältigt. Und so wie Vogt-Krause, mit dem Hibbeler in den vergangenen zwei Jahren „mitlief“, wird er sich als Nachfolger, als neuer „Theaterdirektor“, immer auf seinen Vorstand stützen und verlassen können. „Wir wollen alle immer wertschätzen“, sagt er, „jede Arbeit, auch die im Hintergrund.“ Außerdem könne er, so zeigt sich der 68-Jährige überzeugt, „gute Stimmung in Gruppen erzeugen“, weil es am besten ist, „wenn sich alle wohlfühlen“. Aber er könne auch gut moderieren, sagt der „Neue“.

Wer ist dieser Werner Hibbeler also? Er und ich kannten uns vor diesem Treff nicht, und es war sehr wohltuend, wie offen und unprätentiös, ohne das übliche Abtasten, unser Interviewgespräch ablief. Es war, als redete man mit einem, den man schon lange kennt. – Geboren im Jahr 1957 in Oldenburg, machte Hibbeler ebendort Abitur (1976), leistete Zivildienst, studierte danach (1979-84) in Göttingen Sport/Geschichte (Lehramt). Da nach dem Referendariat (1985) Lehrerstellen nicht so händeringend gesucht wurden wie heutigentags, arbeitete der Absolvent zehn Jahre lang in einem freien Theater für Kinder. Dann kam das Angebot aus dem Schuldienst: Anstellung an einer Förderschule in Dannenberg (1996-2024). Der Wohnsitz wurde, inzwischen mit seiner Frau, nach Suhlendorf verlegt. Jetzt wohnt das Paar in Uelzen, der erwachsene Sohn ist lange selbständig.

Als Suhlendorfer kommt man an der Theatergruppe des Ortes nicht vorbei! Werner Hibbeler auch nicht, schließlich hatte er langjährige, einschlägige Erfahrung. Er schreibt bis heute die Stücke der Truppe, führt Regie und spielt selber mit. Und dann kam ihm auch noch, anlässlich eines Besuchs an der Rosenmauer, das Bekenntnis über die Lippen: „Das könnt ich mir vorstellen, hier mitzuarbeiten!“ Solche Bereitschaft äußert man nicht ungestraft – und nun trägt Werner Hibbeler also die Verantwortung für die kleine aber feine Bühne. Inzwischen hat er für das Jahr 2026 den Spielplan größtenteils in Eigenregie erstellt. Das Programm ist bunt, es gibt Altvertrautes genauso wie völlig Neues. Neben dem Flyer wagte man sich ins Medium Instagram als Werbung. Weil „an dem Altersdurchschnitt 60+ doch was geändert werden muss.“

Der Verein hat 160 Mitglieder, meist kommen 65 Zuschauer (auf 100 Plätze) pro Veranstaltung. „Mit einer Auslastung von 75% könnten wir uns fast selber tragen“, träumt Werner Hibbeler von einer Zukunft. Das ist mutig in Zeiten, wo nicht zählt, was sich nicht rechnet. Kultur gehörte ja schon immer dazu. Da ist es umso erfreulicher, dass die Stadt Uelzen einen jährlichen Zuschuss von 10 000 Euro gewährt – solches ist nicht selbstverständlich. „Das ist ein Polster, denn wir müssen ja auch investieren“, sagt Hibbeler. Geplant ist eine Klima- und Belüftungsanlage für den Theaterraum. Die wird zu einem Drittel obendrein von der Sparkassenstiftung bezahlt – auch so eine erfreuliche Nachricht.

Was bringt nun der neue Spielplan? Und ändert sich was? Es sei ein Mix aus Angeboten, die der „Theaterdirektor“ und sein Team gut findet und welchen, die sich bewährt haben. Wenn was läuft, ist es kein Argument, ob ich das mag oder nicht“, verspricht Hibbeler. Und so kommen weiterhin „Schwarzblond“ oder Heinz Erhardt auf die Bretter. Die Jungs von „Bidla Buh“ geben im Juni und November ihre Abschiedsvorstellung. Unglaublich! Hatten die sich nicht erst gegründet? Ja, 1998 – eine der ersten Vorstellungen hatte Schamuhn eingekauft. Es gibt Stand up-Comedy, Kammertheater, kleine Musikformate. Wichtig sei ihm, so Werner Hibbeler, das Haus auch für lokale Gruppen zu öffnen. Und die Zusammenarbeit mit den Schulen will er erneut versuchen anzustoßen. „Im Hinterkopf habe ich ein Kinder- und Jugendtheater, weil ich daher komme.“

Das sind einige Pläne, aber die Realität wird der Vereinsvorsitzende sicherlich nicht aus dem Blick verlieren. Werner Hibbeler scheint einer zu sein, mit dem man lachen kann, streiten auch – im produktiven Sinne -, sich freuen über Gelungenes. Es ist ihm viel Glück und Erfolg zu wünschen für die neue Aufgabe.
www.neues-schauspielhaus-uelzen.de