Dem Frieden gesungen

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St.-Marien-Kantorei hatte beim 8. Sommerkonzert ihren Jubiläumsauftritt

Der Zuspruch war erwartbar gewesen: Die St.-Marien-Kantorei feiert in diesem Jahr sich und ihr Dreivierteljahrhundert mit einem Konzert. Noch zwei werden folgen. Da war die Kirche außerordentlich gut gefüllt. Rund 300 Besucher:innen können es gewesen sein, die den Weg zum achten St.-Marien-Sommerkonzert fanden. Das Festkonzert stellte sich als ein Charivari dar, eine (keinesfalls nur bajuwarische) Kette alter und neuer Musik. Eine Mischung zwischen Lobgesang und Volkslied, Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Karl Jenkins. Es war Rückblick und Vorschau; also, wenig Rückblick, viel Vorschau. Denn Kantor Erik Matz wollte die Gäste anfixen für „The Peacemakers“, das Oratorium von Karl Jenkins am 14./15. November, und das Magnificat D-Dur BWV 243, das anstelle „Weihnachtsoratorium pur“ am 20. Dezember aufgeführt wird. Dieser Lobgesang Marias – passt ja auch zu Weihnachten. Weil es aber ganz ohne „Jauchzet, frohlocket“ doch nicht geht, schließen sich die Kantaten I und VI an.

Die Kantorei ging die Lieder üppig in der Tongebung und prangend in Volumen und Farben an. Das Ensemble hat wieder ein solides Bass-Fundament, die anderen Stimmlagen waren nie akut gefährdet. Erik Matz führte den Chor mit fürsorglichen Einsätzen durch jedes komplexe Stimmengewirr. Sei es das von Bachs „Sicut locutus est“ (Wie er verheißen) oder das von „Horch, was kommt von draußen rein“. Wobei die Volkslieder nie den simplen Chorsatz hatten, den man normalerweise singt. Die Kantorei musizierte mit hörbarem Spaß an der Darstellung und bei „Kein schöner Land“ in einem wunderbaren Timbre, sachlich fast, jedenfalls fern dieser süßen Sentimentalität, die sonst unter diesen Noten liegt. – Monumental die Auszüge des Jenkins-Oratoriums gab diese Chorkultur dem Ganzen eindrucksvoll Wirkung. Vom ersten Tone an frei von Indispositionen, von Beginn an gesammelt und voller Konzentration.

Als Begleiter hatte sich Kantor Matz den Pianisten Malte Schäfer, Dozent an der Musikschule, an die Seite geholt und ihm Gelegenheit für zwei Soli gegeben. So imaginierte er das spätere Bach-Orchester und spielte solo Melancholisches: „Notturno op. 54,4 aus den lyrischen Stücken von Edvard Grieg und Intermezzo und Capriccio aus den Fantasien op. 116, Nr. II von Johannes Brahms. Dem Ganzen fehlte ein wenig die Spannung, aber in Sachen Klavierqualität sind Zuhörer:innen in diesem Landkreis sehr verwöhnt.

Als bemerkens- wie hörenswertes Stück stand das „Jubilate deo“ von Józef Świder, einem polnischen Komponisten, auf dem Programm. Zu hören war, dass die Lebensdaten auf dem Zettel keineswegs stimmen konnten (1868-1879!). Der Mann lebte von 1930 bis 2014, das kommt dem Klangerlebnis schon näher. Die Darbietung ertönte schlackenlos klangrein, sinnscharf und voller Leidenschaft.

Nach Abschluss kamen die „Zugabe“-Rufe unmittelbar. Es ist zwar nicht zu glauben, dass Matz bei dem Repertoire aus 30 Jahren keine extra Zugabe hatte – aber man hörte sich das polnische „Jubilate“ gerne noch einmal an. – Am Samstag, 29. August 2026, ist der Sommer schon wieder vorbei. Das neunte und letzte St.-Marien-Sommerkonzert steht auf dem Programm, in dem auf bewährte Weise die Blechbläser von emBRASSment aus Leipzig zu Gast sein werden. 16.45 Uhr. St. Marien.

Barbara Kaiser – 24. August 2026