Das Ensemble „Brasssonanz“ gastierte in gut besetzter St.-Marien-Kirche
Was für ein Spektakel! Welche Spielfreude! Was für ein energisches Kräftemessen und virtuoser Wettstreit. Das Rausschmeißer-Stück „Sing, sing, sing“ von Louis Prima, bekannt geworden wohl vor allem durch Benny Goodmans legendären Auftritt in der Carnegie Hall, beschloss die Stunde Musik des vierten St.-Marien-Sommerkonzerts, in der die zwölf Musiker:innen des Ensembles „Brasssonanz“ ein absolutes Gefühl für den Schwung der Noten bewiesen. Okay, Benny Goodmans Live-Auftritt von 1938 dauerte zwölf Minuten und 30 Sekunden, solange dauerte es in St. Marien nicht. Es hätte aber sicherlich keiner Anstoß daran genommen, hätte es!
Nach sieben Jahren waren die Blechbläser wieder zu Gast in Uelzen; und es lag nicht an der Fangemeinde, die Lokalmatador Lukas Strieder (Tuba) zu versammeln weiß, dass mehr als 250 Zuhörer:innen kamen. Seit elf Jahren musizieren die jungen Blechbläser zusammen. Die Logistik fürs gemeinsame Proben und Auftreten muss eine ungeheure sein, denn die Mitglieder sind in verschiedenen Orchestern angestellt, über ganz Deutschland verstreut. Dass am Ende trotzdem solch eine musikalische Qualität herauskommt, ist ganz und gar erstaunlich. Aber der gemeinsame Wunsch, neben dem „alltäglichen“ Orchesterspiel kammermusikalisch zu musizieren, bringt sie zusammen und den Konzertbesuchern ein ganz besonderes Erlebnis.
Das Programm, das „Brasssonanz“ mitbrachte, trug den Titel „Dance all night“, es sollte Tänze zu Gehör bringen, „die für uns prägend waren“, sagte Lukas Strieder im Gespräch.
Die Musiker verschwendeten sich beherzt an jede Partitur. Ob an Franz von Suppés Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ oder Giacomo Puccinis Musettas Walzer aus „La Bohème“. Dass es für junge Menschen Franz von Suppé gibt – war für mich die Entdeckung des Abends. Wer spielte schon noch dessen Operetten „Die schöne Galathée“ oder „Boccaccio“. Dabei ist es eine unvergleichlich-mitreißende Musik. Mit „Brasssonanz“ kam sie ungeheuer rhythmisch und an jeder Stelle sauber akzentuiert daher.
Das berühmteste „West Side Story“-Lied („Maria“) war auf dem Euphonium zum Niederknien aufgehoben. Die Musik von Anthony DiLorenzo (*1967), „Blade of Spain“, beeindruckend drohend und einer Perfektion in Takt- und Rhythmuswechseln.
Summe: Die Präzision des Spiels, die akribische Detailarbeit und die Leidenschaft begeisterten die Zuschauer. Es hat sich herausgestellt, dass „Brasssonanz“ auch in ihrem 12. Jahr nach Gründung nichts von dem Glanz verloren hat, den sie bereits vor sieben Jahren in St. Marien vorstellte. An keiner Stelle Routine, nie ging es nur um knallige Effekte.
Das war die Brass-Musik Nr. 1 – zum letzten Sommerkonzert am 29. August 2026 kommt „emBRASSment“ aus Leipzig als Nr. 2. Bis dahin ist es aber noch ein Stück. Am kommenden Samstag, 01. August 2026, ist erst einmal das Ensemble „Voktett“ aus Hannover zu Gast. Mit A-capella-Musik zu Nacht – „Nocturne“.
Barbara Kaiser – 27. Juli 2026